29.08.2020 16:10 |

Wien-Wahl

Strache-Wahlkampfauftakt: „Ich bin das Original“

Heinz-Christian Strache und sein Team HC haben am Samstagvormittag als erste stadt-weit antretende Liste den Wahlkampf für die Wien-Wahl eingeläutet. In einer mehr als einstündigen Rede arbeitete sich der Spitzenkandidat an der FPÖ, den Corona-Maßnahmen des Bundes, Rot-Grün in Wien und dem Thema Migration ab. „Ich bin das Original“, versicherte er einmal mehr.

Der Ex-Chef der Freiheitlichen und frühere Vizekanzler zeigte sich im „Lotus Event Center“ in der Donaustadt vor seinen Anhängern überzeugt davon, die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Landtag und Gemeinderat überspringen zu können und somit sein Polit-Comeback zu schaffen. Die FPÖ habe 2015 fast 31 Prozent erreicht - von den damaligen Unterstützern erhofft man sich nun viel Zuspruch: „Wir werden für diese Wähler da sein.“

Strache nutzte die Bühne, um gegen seine ehemaligen Parteifreunde kräftig auszuteilen. Diese hätten sich nämlich der „links-linken“ Kleinpartei Wandel „angeschlossen“, als es darum gegangen sei, im Zuge der Hauptwohnsitz-Debatte seine Wiener Kandidatur zu verhindern: „Wer war denn sofort deren Partner? Der Herbert Kickl, der Norbert Hofer, der Dominik Nepp.“ Überhaupt bestehe das blaue Wahlprogramm nur mehr aus sechs Worten: „Gegen Strache. Gegen Strache. Gegen Strache.“ Auf dieses Niveau begebe man sich nicht.

Was will Strache für Wien?
Außerdem kenne den FPÖ-Spitzenkandidaten Nepp in Wien niemand - ebenso wie jenen der NEOS. ÖVP-Finanzminister und Landesparteichef Gernot Blümel wiederum habe schon angekündigt, im Bund zu bleiben. Und Michael Ludwig (SPÖ) sei ein „Schweige-Bürgermeister“, der den Grünen alles durchgehen lasse. Was will Strache für Wien? Zum Beispiel 15.000 neue Gemeindewohnungen jährlich, 200 Euro extra für alle Mindestpensionisten pro Jahr und ein Gratis-Parkpickerl.

Bevor der Listen-Erste allerdings auf die Bundeshauptstadt zu sprechen kam, widmete er sich zu allererst der Corona-Pandemie. „Nieder mit dem ganzen Verbotszirkus. Wir wollen zurück zu einer Normalität, die auf Basis von Fakten möglich ist“, polterte Strache. Die Bundesregierung betreibe gezielt Angst- und Panikmache, während Grundrechte verloren gingen.

„Der Heilige Sebastian (Kurz, Anm.) versucht, den Messias zu geben. Wenn er sagt, er sieht Licht am Ende des Tunnels, muss man sagen, dass er uns überhaupt erst in den Tunnel hineingeführt hat“, verwies Strache auf den Lockdown. Und er versicherte: „Wir sind keine Corona-Leugner. Selbstverständlich gibt es das Virus, genauso wie es die Grippe gibt. Aber man muss mit dem Virus leben lernen und Risikogruppen schützen, aber doch nicht unsere Gesellschaft zusperren.“

Von EInhaltug des Ein-Meter-Abstands keine Rede
Apropos Corona: Dank regen Interesses war beim insgesamt fast zweieinhalbstündigen Indoor-Event von der Einhaltung des Ein-Meter-Abstands keine Rede. Auch Masken wurden von so gut wie keinem der teils laut jubelnden Fans getragen. Strache selbst wiederholte: „Wir brauchen keine Corona-Ampel. Wir brauchen eine auf Rot stehende Migrations-Ampel.“ Und der Listen-Chef betonte: „Wir sind keine Rassisten“, warnte gleichzeitig vor einem „radikalen Islam“ und forderte „Assimilation statt verfehlter Integration“.

In Sachen Ibiza-Skandal bekräftigte Strache einmal mehr, „kriminelle Strukturen“ hätten ihn politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich zu ruinieren versucht: „Nicht ich bin da der Täter, ich bin Opfer.“ Es habe sich hier um einen „aus dem Ausland gesteuerten Anschlag auf die österreichische Regierung“ gehandelt, lautet seine Interpretation - denn: „Ich bin weder in einem besoffenen Zustand käuflich oder korrupt, sondern folge immer den Interessen der österreichischen Bevölkerung.“

Strache kündigte bis zum Urnengang am 11. Oktober einen intensiven Wahlkampf mit einem Auftritt am Favoritner Viktor-Adler-Markt Mitte September, mit Gemeindebaufesten und einer „Beisl-Tour“ an. Ein Reim durfte freilich auch nicht fehlen: „Was tut den Mächtigen und Regierenden am meisten weh? Eine Stimme für HC“, dichtete der Spitzenkandidat und meinte mit Blick auf seine Mitstreiter, es sei Zeit, endlich „echte Bürger“ anstatt Berufspolitiker ins Rathaus zu schicken - wobei er gleichzeitig vorrechnete, in den vergangenen 15 Jahren als FPÖ-Chef immer für die Interessen der Österreicher eingetreten zu sein.

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