28.08.2020 14:40 |

„Trudeln“ missglückte

Passagierin starb: 18 Monate bedingt für Pilot

„Wenn man schon eine solch riskante Freizeitgestaltung anbietet, muss man sein Handwerk beherrschen!“ Ein 56-jähriger Segelkunstflugpilot tat das offenbar nicht. Ihm war ein Flugkunststück misslungen und eine Passagierin war gestorben. Richterin Michaela Sanin verurteilte ihn am Freitag am Landesgericht Klagenfurt zu 18 Monaten bedingter Haft. 

Gutachter Dietmar Poll, ein ehemaliger Segelkunstflugweltmeister und Flugzeugkonstrukteur, hat den Unglücksflug anhand eines Videos analysiert. Er stellte fest, dass die Geschwindigkeit beim Einleiten der Figur höher als 100 Stundenkilometer gewesen sei. Daher sei es kein „Trudeln“, sondern eine „gerissene Rolle“ gewesen.
Flugzeug reagierte nicht
Der Angeklagte sagte dazu, er habe dieses Manöver nicht gekannt und sei darauf nicht eingeschult worden. Seiner Meinung nach habe er das „Trudeln“ eingeleitet. Das Flugzeug habe nicht reagiert. Er glaubte daher an einen technischen Defekt des Ruders und wählte für sich und seine Passagierin den Notausstieg in einer Höhe von rund 1000 Metern, um für beide die Chancen des Überlebens zu sichern.
Die Untersuchung des Wracks ergab, dass das Flugzeug völlig in Ordnung war. Deshalb warf Staatsanwältin Johanna Schunn dem Angeklagten auch vor, falsch reagiert und die Vermutung des technischen Gebrechens als Schutzbehauptung aufgestellt zu haben. Der Verteidiger widersprach und forderte einen Freispruch.

Fallschirm - vermeintliche Sicherheit
Bei der Urteilsbegründung sagte Richterin Sanin: „Man bietet Menschen hochgefährliche Freizeitvergnügen an und suggeriert ihnen vermeintliche Sicherheit, indem man ihnen einen Fallschirm umschnallt.“ Als strafmildernd wertete sie die Unbescholtenheit des Mannes. Sowohl Staatsanwältin als auch Verteidigung gaben keine Erklärung ab. Das Urteil von 18 Monaten bedingt ist somit nicht rechtskräftig.

 Kärntner Krone
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