04.08.2020 19:51 |

Hoher Blutzoll

Massive Explosionen in Libanons Hauptstadt

Die libanesische Hauptstadt Beirut ist am Dienstag von zwei Explosionen erschüttert worden. Die zweite, massivere Detonation war sogar noch in mehreren Kilometern Entfernung zu spüren. Mindestens 50 Menschen wurden getötet und Tausende weitere verletzt. In sozialen Medien wurden Videos gepostet, die auch die enorme Druckwelle der zweiten Explosion aus mehreren Winkeln zeigen.

Am Himmel stand eine riesige Rauchwolke, zahlreiche Fensterscheiben in angrenzenden Gebäuden waren geborsten. Auch die Schnellstraße auf dem Weg zum Hafen war mit Glasscherben übersät. Dutzende Autos wurden beschädigt. Örtliche Medien zeigten Bilder von unter Trümmern feststeckenden Menschen, einige von ihnen waren blutverschmiert. Die libanesische Armee half dabei, diese Menschen in Krankenhäuser zu bringen.

Kurz nach der Explosion fielen Telefon und Internet in der Stadt aus. „Wir saßen in unserem Wohnzimmer, und plötzlich fielen uns die Wand und Glas auf den Kopf“, sagte ein Anrainer namens Rumi. Große Teile des Hafens, der wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt liegt, wurden durch die Explosion zerstört. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gibt es vorerst nicht.

Israelischer Regierungsvertreter: „Wir haben nichts damit zu tun“
Ein israelischer Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, sagte, Israel habe mit dem Vorfall nichts zu tun. Außenminister Gabi Ashkenasi sagte dem Sender N12, es handle sich höchstwahrscheinlich um einen Unfall, ausgelöst durch einen Brand. Das US-Präsidialamt teilte mit, man verfolge die Entwicklung genau.

Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Die Residenz seines Sohnes, des früheren Ministerpräsidenten Saad Hariri, wurde bei der Explosion am Dienstag beschädigt.

An diesem Freitag will das UN-Libanon-Sondertribunal in Den Haag sein Urteil gegen vier Angeklagte in dem Fall von 2005 verkünden. Viele Menschen im Libanon machen die Führung des Nachbarlandes Syrien für den Anschlag auf Hariri verantwortlich. Er hatte vor seinem Tod den Abzug der damals im Libanon stationierten syrischen Truppen verlangt.

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