03.08.2020 06:00 |

„Krone“-Besuch

Fast daheim in Wien bei Heinz-Christian Strache

Wohnt Heinz-Christian Strache in Wien? Die Antwort darauf kann den Ex-Vizekanzler die Kandidatur zur Wahl kosten. Die „Krone“ wollte ihn besuchen.

Wir wissen nicht, ob Strache daheim war oder nicht. Es gibt viele Wiener, die sind misstrauisch, die machen nicht auf, wenn es an der Haustür klingelt. Betrüger könnten davorstehen, die Zeugen Jehovas, vielleicht will jemand eine Zeitung verkaufen, oder es geht um Spenden. Da bleibt der Riegel lieber zu. Als wir am Freitag an der braunen Holztür des Wohnhauses in Wien-Landstraße anklopfen, macht niemand auf. Zum Glück, muss man sagen, wir kamen mit leeren Händen. Eine Flasche Wein oder Wodka mit Red Bull hätte es schon sein können.

Homestory-Angebot wurde abgelehnt
Unangekündigten Besuchern haftet immer etwas Unsympathisches an. Zu unserer Verteidigung: Wir haben uns angemeldet oder es zumindest versucht. Die „Krone“ fragte bei seinem Berater nach: Wie wäre es mit einer Homestory in Straches 55-Quadratmeter-Bude? Abgelehnt! „Strache hat kein gesteigertes Interesse“, erklärte Gernot Rumpold. Heißt nicht, dass der Ex-Vizekanzler etwas zu verheimlichen hat. Vielleicht ist auch nur nicht aufgeräumt.

Warum ist die Adresse Straches so wichtig? Für den ehemaligen FPÖ-Chef geht es um die Kandidatur für die Wien-Wahl am 11. Oktober. Kann Strache nachweisen, dass er seinen Hauptwohnsitz im 3. Bezirk und nicht in Klosterneuburg hat, darf er antreten. Ansonsten nicht.

Wir läuten bei den direkten Nachbarn, und sie öffnen die Tür, ohne Ankündigung und ohne Berater. Ein Ehepaar grüßt freundlich. „Seit 40 Jahren leben wir schon hier“, sagt der Mann. 40 Jahre an einer Adresse, man kennt alle im Haus und ist auch nicht mehr so gschamig. Die Frau trägt nur Unterhemd und Unterhose, der Mann eine Jogginghose, die bis zum Bauchnabel reicht - sein Oberkörper wird nur vom Zigarettenrauch verhüllt. Solche Nachbarn wünscht man sich: Andere in Wien nehmen nicht einmal ein Paket für einen an, sie haben eine eidesstattliche Erklärung für ihren Strache unterschrieben: „Ja, er wohnt da!“, sagen sie.

Nachbar: „Ich habe ihn hier noch nie gesehen“
Bei anderen im Haus hat Strache keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein Mann im Stockwerk darüber meint: „Ich habe ihn noch nie gesehen.“ Zwei Wirte im Grätzel haben dessen Mutter öfter getroffen, den Politiker aber auch nie. „Das ist alles nur eine Augenauswischerei“, sagt die Besitzerin einer Wäscherei.

Und so gehen wir wieder ohne klares Bild. Das aber kann gesagt werden: Wir lieben Straches Türmatte. Drei Bäume. Man kann sich ausmalen, mit welchem Handzeichen er sie gekauft hat.

Michael Pommer und Kathi Mötzl, Kronen Zeitung

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