13.07.2020 09:10 |

Besuch bei Ski-Legende

Streif ohne Fans? „Das möchte ich nicht erleben“

Streif-Ausflug mit dem 85-jährigen Kitz-Hausherr und Ski-Legende Hias Leitner. Seine geliebten Rennen kann er sich ohne Fans nicht vorstellen. Die Veranstalter arbeiten bereits intensiv an Plänen für alle Szenarien.

Zweimal fuhr die Formel 1 jetzt in Österreich. Immer ohne Zuschauer. Vor wenigen Monaten wäre das noch völlig unvorstellbar gewesen. Wie beim traditionsreichsten, größten heimischen Sportspektakel. Aber auch in Kitzbühel macht man sich wegen der Corona-Krise und ihren Auswirkungen auf Großveranstaltungen längst ernsthafte Gedanken . . .

Auffahrt auf den Hahnenkamm. Mit Hias Leitner. Die Kitzbüheler Ski-Legende, 1960 Olympia-Zweiter im Slalom und Sieger in unzähligen Rennen, wird im September 85. Kaum ein anderer hat in Kitzbühel so viele Rennen erlebt wie er.

Trotz des stolzen Alters beginnen seine Augen zu leuchten wie die eines kleinen Kindes. Wenn er beim berühmten Starthaus steht und beginnt, von früher zu erzählen. Von diesen wilden Urzeiten des Skisports. „Damals war hier nicht einmal ein kleines Hüttchen. Nichts. Es hat uns nur wer von hinten einen Stoß gegeben, und wir sind losgebrettelt. Ohne Fangzäune, ohne großen Schutz am Körper.“

Unvergessene Momente
Man spürt förmlich, wie sehr er all die Erinnerungen genießt. „Etwa die Fahrt des Stephan Eberharter im Jahr 2004. Aber es gibt hier in Kitzbühel für mich so viele unvergessene Momente. So viel, an das ich wirklich ewig denken werde.“

Trotzdem wird er wenig später nachdenklich. Als er im Zielraum steht, wo im Sommer Golf gespielt wird. Und die menschenleere Streif hinaufblickt. „Die Fans gehören zu Kitzbühel fast wie diese Rennstrecke, sie sind gerade hier das absolute Um und Auf. Nicht vorstellbar, wenn auch hier wie bei der Formel 1 keine herdürfen beim nächsten Mal.“ Nachsatz: „Nein, das will ich nicht erleben.“

Daneben nickt sein Sohn Wolfgang. Als Verantwortlicher für Medien und PR ist er Jahr für Jahr tief involviert in die Organisation der Hahnenkammrennen. Jetzt zieht er ein Manuskript aus der Tasche. „Auch wenn die Rennen erst im Jänner sind, arbeiten wir schon intensiv an Plänen für alle Szenarien. Kitz mit unbegrenzten Fans, Kitz mit einer limitierten Zahl - und auch dafür, dass vielleicht wirklich gar keine kommen dürfen.“

Als er wenig später mit seinem Vater den Zielraum verlässt, beginnt es zu regnen. Als ob sogar der Himmel weinen würde. Vor lauter Angst um die Gänsehaut-Atmosphäre von Kitz.

Peter Frauneder, Kronen Zeitung

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