01.07.2020 11:28 |

5 Objekte durchsucht

Razzia bei Wirecard in Deutschland und Österreich

Beim in einen Bilanzskandal verstrickten deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard sind am Mittwoch erneut die Ermittler angerückt. Bereits seit den Morgenstunden würden fünf Objekte des Unternehmens durchsucht, darunter der Firmensitz in Aschheim bei München sowie zwei Gebäude in Österreich, teilte die Staatsanwaltschaft, die ihre Ermittlungen ausgeweitet hat, mit.

Zwölf Staatsanwälte sowie 33 Polizisten und IT-Fachleute seien mit österreichischen Kollegen vor Ort. Es gehe in erster Linie um die Vorwürfe, die Grundlage der Ermittlungen gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun - ein Österreicher - seien, also unrichtige Angaben und Marktmanipulation in mehreren Fällen. Die Zentrale von Wirecard wurde bereits am 5. Juni durchsucht und soll auch am Mittwoch neben mehreren anderen Wirecard-Büros erneut durchsucht worden sein.

Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus
Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt im Bilanzskandal um Wirecard nun auch wegen des Verdachts des Betrugs gegen die ehemalige Chefetage des insolventen Zahlungsdienstleisters. Neben Bilanzfälschung und Marktmanipulation komme auch Betrug in Betracht, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Ermittelt werde gegen den zurückgetretenen Wirecard-Chef Braun, den bis vor Kurzem für das operative Geschäft zuständigen COO Jan Marsalek (ebenfalls ein Österreicher) - und nun auch gegen die amtierenden Vorstandsmitglieder Alexander von Knoop (Finanzen) und Susanne Steidl (Produkte).

In der Bilanz fehlen 1,9 Milliarden Euro
Wirecard hatte es in zwei Jahrzehnten vom Start-up zum globalen Abwickler von bargeldlosem Zahlungsverkehr geschafft. Doch nun steht das deutsche Unternehmen vor einem Trümmerhaufen. Aus einem anfänglichen Manipulationsverdacht ist ein handfester Bilanzskandal mit Verdacht auf „gigantischen Betrug“ geworden. Es geht um Buchungen in der Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die nicht belegt werden können.

Vergangene Woche Insolvenz angemeldet
Wirecard hatte am Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem das Loch in der Bilanz bekannt geworden war. Die Insolvenz gilt bisher nur für die Dachgesellschaft Wirecard AG. Das Unternehmen hat auch eine Tochter in Graz, die nach Daten aus dem Vorjahr 130 Beschäftigte hat.

Der DAX-Konzern wird voraussichtlich in Einzelteile filetiert und verkauft. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffe gab in der Nacht auf Mittwoch bekannt, dass sich bereits „zahlreiche Interessenten weltweit für den Erwerb von Geschäftsbereichen gemeldet“ hätten. Er rechnet mit der Zerschlagung des Unternehmens. Bereits am Dienstag hatte sich die US-Tochter Wirecard North America zum Verkauf gestellt.

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