Touristenmagnet

Österreicher erobern jetzt Hallstatt zurück

Bis vor Kurzem Asiaten-Hotspot, durch den Covid-19-Lockdown leer gefegt und nun von den Landsleuten wiederentdeckt: Das kleine Dörfchen am Hallstätter See ist ein Magnet!

„Es ist irre, was hier abgeht!“, lauschen wir schon an der Einfahrt zum schönen Salzkammergut-Dörfchen zwei Tiroler Gästen beim Gespräch. „Es sieht aus wie in den TV-Dokumentationen", sagt ein Steirer zu seiner Frau, und sie marschieren los.

Wo sonst um diese Zeit asiatisches Stimmengewirr zu hören ist, tummeln sich aktuell die Österreicher. Denn durch den Covid-19-Lockdown und das anhaltende Ausbleiben der vielen asiatischen Touristen erhoffen sich die Besucher ein menschenleeres Hallstatt: „Jetzt, da es nicht so überrannt ist, kommen wir zum ersten Mal her“, verraten die drei gut gelaunten Kärntnerinnen Melitta, Sieglinde und Ingrid aus Feldkirchen. Ein Tagesausflug hat sie ins Salzkammergut geführt, das Salzbergwerk, der Skywalk und das geschichtsträchtige Beinhaus stehen auf dem Programm.

Parkplätze bereits wieder restlos voll
Doch von „nicht überrannt“ und „menschenleer“ kann nicht die Rede sein. Sogar wochentags früh am Morgen sind die Parkplätze restlos voll! „Jetzt kommen die Österreicher, weil sie das Juwel endlich anschauen wollen“, lächelt die nette Verkäuferin Barbara Eisl im gut besuchten Salz-Geschäft und fügt an: „Die kaufen qualitätsvolle Ware, die Asiaten greifen sonst zum Kitsch.“

In der Konditorei an der Ortseinfahrt wurde das Sortiment sogar umgestellt: Während die Chinesen dem Reiseführer entsprechend immer Apfelstrudel fordern, wollen die Österreicher Konditor-Torten. Im kleinen Elektroboot starten gerade Sandra und Michael Bauer aus Vorarlberg, als wir sie ansprechen: „Wir gönnen uns ein paar Tage Urlaub hier und stoßen heute Abend auf der Hotel-Terrasse an, wenn Hallstatt wieder ausgestorben ist.“

Auch die Wienerinnen Daniela und Galina haben sich ein Schwanen-Tretboot geschnappt und wollen das Kleinod vom See aus erkunden. Kitschig lacht ihnen die Kulisse entgegen.

Am Aussichtspunkt hoch über dem Dorf - wo sich sonst die Touristen-Gruppen drängen - macht ein Radler-Quartett aus Tirol Pause, nutzt das Ehepaar Wolfgang und Sigrid Jagsch den Moment für ein Hochzeitstags-Foto.

Der idyllische Spaziergang durch das verträumte See-Dorf lässt die Rückeroberung der Österreicher verstehen, doch es wird im Positiven wie im Negativen klar: Tatsächliche Ruhe werden die lieben Hallstätter wohl nie erleben.

Sabine Kronberger, Kronen Zeitung

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Sonntag, 27. September 2020
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