Kremsmüller-Insolvenz:

„Hätte Wunden aufgerissen, die nie heilen würden“

Wie fühlt man sich, wenn man feststellt, dass ein Projekt die ganze Firmengruppe in den Ruin zu treiben droht? „Den letzten Monat würde ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen“, so Gregor Kremsmüller. Seit Montag läuft bei der Kremsmüller Industrieanlagenbau KG aus Steinhaus ein Sanierungsverfahren.

Seine Kinder schickten ihm Zeichnungen, ehe Gregor Kremsmüller am Montag-Mittag die Probleme in der von Steinhaus bei Wels aus agierenden Kremsmüller-Gruppe öffentlich machte: Die Industrieanlagenbau KG, das Herz des Familienunternehmens, ist ein Sanierungsfall, die Passiva belaufen sich auf 135 Millionen €, 600 Mitarbeiter des betroffenen Firmenteils, aber auch die 600 Beschäftigten in der eng verbundenen Industrieservice KG warteten vorerst vergeblich auf Gehälter und Urlaubsgeld. Kremsmüller informierte die Belegschaft per Videobotschaft. „Mir war wichtig, ihnen sagen zu können, dass es einen Fortführungsplan gibt und es weitergeht“, sagt er.

Familie setzte gesamtes Vermögen als Sicherheit ein
Der 43-Jährige spricht ruhig, als er sagt, dass der Gang vors Insolvenzgericht unausweichlich war: „Sonst wären wir mit der gesamten Firma spätestens im August oder September gegen die Wand gefahren.“ Bei einem Projekt mit der Wien Energie hatte man sich völlig überschätzt, die Kosten waren aus dem Ruder gelaufen. Die Familie setzte ihr ganzes Vermögen als Sicherheit ein. „Dass wir das machen, war im Familienrat schnell klar. Alles andere hätte Wunden aufgerissen, die nie mehr heilen würden“, so der Miteigentümer. Welche? „Zuschauen zu müssen, wie die Firma abgetragen wird, schaff’ ich nicht.“

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger
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Freitag, 03. Juli 2020
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