08.06.2020 16:01 |

Studie rechnet hoch

Lockdown könnte 66.000 Österreicher gerettet haben

Von Social Distancing bis zu Ausgangssperren - die in Europa gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus waren teilweise drastisch, dürften aber ihre Wirkung nicht verfehlt haben, wie eine Analyse britischer Mathematiker nun zeigt. Verglichen mit der Variante, bei der gar keine Maßnahmen getroffen worden wären, könnten durch den Lockdown alleine in elf europäischen Ländern etwa 3,1 Millionen Todesfälle vermieden werden - für Österreich rechnet das Modell mit 66.000 Menschen. 

Die Auswertungen der Wissenschaftler des Imperial College London zeigen, dass - im Vergleich zu gar keinen Interventionen - durch Lockdown, Kontaktsperren sowie Grenzschließungen bis zu 3,1 Millionen Todesopfer vermieden werden konnten. Dazu hatten die Forscher Daten aus elf europäischen Staaten ausgewertet. Die Modellrechnung der Mathematiker zeigt zudem, dass es in Österreich gänzlich ohne Maßnahmen bis zu 66.000 Todesopfer hätte geben können. Wenn der gegenwärtige Trend anhalte, bestehe Anlass zu Hoffnung, hieß es von den Forschern um Seth Flaxman vom Imperial College nach der Analyse der Todesfallzahlen im Fachmagazin „Nature“.

530 Millionen Covid-Ansteckungen vermieden
Bis zum 6. April hätten die Maßnahmen rund 530 Millionen Infektionen allein in sechs Ländern verhindert, berichtet ein weiteres Forschungsteam ebenfalls im Fachjournal „Nature“. Es hatte den Infektionsverlauf bis zu diesem Stichtag in China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich und den USA analysiert. „Ich denke, kein anderes menschliches Unterfangen hat jemals in so kurzer Zeit so viele Leben gerettet“, sagte Studienleiter Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley.

Reproduktionszahl lag im Schnitt bei 3,8
Zu Beginn der Pandemie habe die Reproduktionszahl im Schnitt aller untersuchten elf europäischen Länder bei 3,8 gelegen. Zehn Infizierte steckten also im Mittel 38 weitere Menschen an. In allen Ländern sei die Reproduktionszahl infolge der ergriffenen Maßnahmen auf unter 1 gesunken. Das Ergebnis decke sich mit Untersuchungen in einzelnen Ländern. „Unsere Analysen legen auch nahe, dass es in diesen Ländern deutlich mehr Infektionen gab als bisher vermutet“, so Bhatt in einem Statement. Insgesamt gehen die Forscher von zwölf bis 15 Millionen Infizierten in den elf Ländern aus.

Österreich: 0,8% der Bevölkerung Anfang Mai infiziert 
Für Österreich rechnen die Wissenschaftler damit, dass um den 4. Mai rund 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren, was laut den Autoren relativ gut mit den Schätzungen aus kleineren Stichprobenuntersuchungen in Österreich zusammenpasse. Zum Vergleich: In der ersten Stichprobenuntersuchung Anfang April ergab sich ein prozentueller Bevölkerungsanteil zwischen 0,12 und 0,76, an zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich mit SARS-CoV-2 Infizierten. Die zweite derartige Studie Anfang Mai identifizierte dann nur noch einen einzigen Fall, was hochgerechnet einer Dunkelziffer von höchstens 0,15 Prozent der Gesamtbevölkerung entsprach.

Im Schnitt sei die Reproduktionsrate aufgrund der verhängten Lockdown-Maßnahmen laut den Forschern um 82 Prozent zurückgegangen. Österreich liegt hier exakt im Durchschnitt der untersuchten Länder. Die Schwankungsbreite der Angaben in der Studie sind allerdings teils beträchtlich.

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