13.05.2020 15:45 |

Erstes Jahr Oberliga

Coronakrise: Amateurfußball ist nur zweitrangig

Rascher Klassenerhalt, Saisonstart im September und keine verletzten Spieler! Die Wünsche von Rudolf Hollmann, sportlicher Leiter von SV St. Lorenzen/Knittelfeld, sind eigentlich gar nicht hochgesteckt. Wie St. Lorenzen die Krise bewältigt hat, wie man sich auf die neue Saison vorbereitet oder was man zur Annullierung der Saison 19/20  - diese Fragen werden im folgenden Interview beantwortet. Immerhin ist man bei der „Bruno-Gala“zur Amateurmannschaft der Saison 2019 gewählt worden.

Wie ist für euch die abgelaufene Saison gelaufen? Gebt uns einen kleinen Einblick (Positive/negative Ereignisse, Überraschungen in der eigenen Mannschaft oder in der Liga)
Rudolf Hollmann: „Das 1. Jahr Oberliga war der bisher größte Erfolg (neben dem Bruno Award) in der 55jährigen Vereinshistorie. Holpriger Start - umso besser hat man sich im Anschluss an die Liga angepasst. Positiv: sehr gutes Gefüge innerhalb des Teams mit der Erkenntnis, dass mit allen Mannschaften in der Liga mitgehalten werden kann (Judenburg, Murau) aber auch Negatives: bittere und unnötige Niederlagen (Unzmarkt, Hinterberg). Tolles Trainingslager in Slowenien unter besten Bedingungen - leider hat ein Virus namens Covid-19 dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Wie halten sich die Spieler während der Corona-Krise fit? Gibt es ein vorgegebenes Heimprogramm oder handhabt das jeder Spieler individuell?
„Ständiger Austausch innerhalb der Mannschaft mit dem Trainerteam, per Videochat wurde sehr oft gemeinsam trainiert bzw. haben sich die Spieler selbst fit gehalten. Der Tag der Wahrheit kommt für jene Spieler, die das Training vernachlässigt haben ja sowieso, wenn wieder der Anpfiff erfolgt.“

Was ist eure Meinung zur Annullierung der Saison? Dafür, dagegen oder hätte man noch abwarten können und zu einem späteren Zeitpunkt abbrechen sollen?
„Da die Situation absolutes Neuland ist für die gesamte Bevölkerung und die Regierung war die Entscheidung (auch wenn wir natürlich lieber die Entscheidungen am grünen Rasen gehabt hätten) vollkommen richtig. Solche Entscheidungen wurden letztendlich nicht leichtfertig getroffen, denn schließlich stehen hinter diesem Lockdown ganze Existenzen von Familien und Firmen dahinter, da sollte der ruhende Ball im Amateurfußball doch zweitrangig sein. Wir sprechen hier ja doch am Ende des Tages von einem Hobby.“

Glaubt ihr an einen Start der Meisterschaft im August 2020?
„Wäre schon schön. Die Realität wird wahrscheinlich oder hoffentlich Anfang bis Mitte September sein, sofern die Gesundheit aller Beteiligten nicht gefährdet ist. Trainingsstart mit Ende Mai/Anfang Juni wäre natürlich top. Selbstverständlich auch abhängig von den geforderten Auflagen.“

Wie sehr wird Corona den Fußball noch beeinflussen? Sind Geisterspiele nötig oder sollte man Zuschauer auf den Fußballplatz lassen?
„Geisterspiele im Amateurfußball sind völlig überflüssig, da wir ja keine Fernsehgelder bekommen bzw. keine Marketingmaschinerie dahinter steht wie in den großen Profiligen. Ich denke “Corona„ wird uns bis ins Jahr 2021 sicherlich begleiten, denn erst dann wird es mit größter Wahrscheinlichkeit die ersten, ernstzunehmenden Impfstoffe geben. Sofern keine zweite oder dritte Welle folgt, denn dann wird sich, egal ob privates Leben oder im Job wieder alles den Sicherheitsbedingungen anpassen müssen.“

Denkt ihr, dass es zu einem Vereinssterben kommt oder werden die Klubs diese Krise gut überstehen und weiter am Meisterschaftsbetrieb teilnehmen?
„Vereinssterben wäre vielleicht übertrieben, aber es könnte natürlich schon zu einer Bereinigung kommen. Speziell die sogenannten Zweiermannschaften wären bedroht, denn je länger sich die Sache mit dem Meisterschaftsstart hinauszögert, desto größer die Gefahr dass sich gewisse Spieler, aus Ungeduld oder Frust, eine andere Sportart suchen, die eventuell schon seitens der Regierung mit weniger Auflagen behangen und daher früher ausübbar ist. Auf jeden Fall wird man sich (sowohl Spieler, Trainer und Funktionäre) von den jetzigen Aufwandsentschädigungen lösen müssen, denn ohne Geld keine Musi und die Sponsoren haben nach derzeitigem Stand - andere Sorgen als einen Amateurverein zu sponsern. Ich hoffe dies ist nicht flächendeckend, denn natürlich wäre es toll wenn der Großteil unserer Sponsoren auch in dieser, für alle Beteiligten schwierigen Zeit, uns auch weiterhin gut gewogen blieben.“

Was wünscht sich euer Klub für die Zukunft?
„Einen raschen Trainingsstart, einen baldigen Meisterschaftsstart, hochmotivierte Spieler, Trainer und Funktionäre, unterstützende Sponsoren, zahlreiche fußballhungrige Fans und verletzungsfreie Spiele. Last but not least einen raschen Klassenerhalt.“

Marco Cornelius
Marco Cornelius
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