03.05.2020 11:33 |

„Es war irre draußen!“

„Hausarrest“ zu Ende: Spanier feierten in Scharen

Nach der siebenwöchigen Ausgangssperre durften die Spanier am Wochenende wieder ihre Wohnungen verlassen, um frische Luft zu schnappen oder Sport zu betreiben. Viele Menschen nutzten die von der Regierung festgesetzten Zeitfenster, um die neu gewonnene Bewegungsfreiheit zu genießen. In den Städten füllten sich die öffentlichen Plätze bereits frühmorgens mit zahlreichen Ausflüglern.

Nach 48 Tagen „Hausarrest“ wurden die Spanier am Wochenende von sommerlichen Temperaturen verwöhnt, als sie ab Samstag zu ihrem langersehnten Freigang aufbrechen konnten. Erstmals seit März durften die 47 Millionen Bürger wieder außer Haus - am Samstag war daher auf den Straßen noch bis kurz vor Mitternacht einiges los.

Strandpromenaden wie der Paseo Maritimo in Barcelona füllten sich schon frühmorgens mit Radfahrern, Joggern und Spaziergängern. In Madrid sah man vor allem auf großen Straßen wie der Gran Via oder dem Paseo de la Castellana sehr viele Menschen.

Die Mannheimerin Christine traute ihren Augen nicht, obwohl sie seit mehr als 40 Jahren in der Fiesta-Hochburg Barcelona lebt und an Tohuwabohu gewöhnt ist. „Es war irre draußen!“, meinte die 69 Jahre alte ehemalige Lehrerin an der deutschen Schule der katalanischen Metropole. „Halb Barcelona joggt oder fährt Rad.“ In Madrid war Angeles erleichtert. „Ich dachte schon, ich hätte das Gehen verlernt“, sagte die 57-Jährige dem spanischen Fernsehen.

Auch in ländlichen, ruhigen Regionen war ganz schön viel los: „Heute joggen viele, die vorher noch nie in ihrem Leben gelaufen sind“, vermutete die Gesundheitsministerien der Region Kastilien und Leon, Veronica Casado. Sie sei „schon erschrocken“ über die Menschenmassen gewesen.

Die große Mehrheit hielt sich zwar an Ausgeh- und Distanzregeln, aber es bildeten sich auch unerlaubte größere Gruppen. Filmstar Antonio Banderas ärgerte sich etwa zu Hause in Malaga über rücksichtslose „Paparazzi ohne Schutzmasken“, die ihm beim Joggen „die Kameras vors Gesicht gehalten“ hätten, wie er auf Twitter klagte. Er schließe sich daher vorerst lieber weiter zu Hause ein.

Ministerpräsident Pedro Sanchez mahnte zur Vorsicht: „Wir machen heute einen weiteren Schritt zur Lockerung der Ausgangssperre, müssen das aber vorsichtig und verantwortlich tun. Das Virus ist noch immer da“, schrieb der sozialistische Politiker auf Twitter.

Zeitfenster für verschiedene Altersklassen
Viele Bürger waren sehr früh aufgestanden. Denn neben örtlichen Beschränkungen und strengen Regeln gibt es zum Genuss der „neuen Freiheit“ auch Zeitfenster. Die meisten Erwachsenen und Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren dürfen nur zwischen 6 und 10 sowie zwischen 20 und 23 Uhr aus dem Haus. Bürger, die älter als 70 sind, dürfen zwischen 10 und 12 sowie zwischen 19 und 20 Uhr hinaus. Kinder unter 14 dürfen zwischen 12 und 19 Uhr mit einem Elternteil vor die Tür.

Beim Spazierengehen darf man sich nur bis zu einem Kilometer vom eigenen Wohnsitz entfernen. Beim Sport soll man die Wohngemeinde nicht verlassen. Sport muss man unbegleitet betreiben, spazieren gehen darf man zwar auch zu zweit, aber nur mit einem Mitbewohner.

Bad im Meer und Sonnen am Strand verboten
In einigen Städten, darunter in Madrid, blieben die Parks vorerst alle weiterhin geschlossen. Viele Küsten- und Badeorte gestatteten zwar das Betreten der Strände, untersagten aber mehrheitlich weiterhin das Baden im Meer oder das Sonnen im Sand.

Die Lockerung ist Teil des Vier-Phasen-Plans, mit dem Spanien bis Ende Juni eine „neue Normalität“ erreichen möchte. Jede Stufe soll zwei Wochen dauern. Nach und nach sollen immer mehr Geschäfte, Lokale und Kirchen sowie später Fitnessstudios, Kinos, Theater und Hotels geöffnet werden. Reisen zwischen den Regionen werden frühestens Ende Juni wieder erlaubt sein. Mit ausländischen Touristen wird frühestens im Herbst gerechnet.

In Spanien durfte man seit Mitte März und bis Freitag nur noch in Ausnahmefällen und allein aus dem Haus - etwa, um zur Arbeit zu fahren, den Hund auszuführen oder Einkäufe zu tätigen.

Alarmzustand soll um zwei Wochen verlängert werden
Der „Hausarrest“ trage Früchte, betonte Sanchez am Samstag. Die Zahl der neuen Toten lag mit 276 erstmals seit Mitte März am dritten Tag in Folge unter 300. Insgesamt starben bisher 25.100 Infizierte. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionsfälle kletterte um knapp 1150 oder nur noch gut 0,5 Prozent auf etwas über 216.000. Sanchez kündigte an, er werde beim Parlament dennoch eine Verlängerung des Alarmzustands um weitere zwei Wochen beantragen. Zudem werde von Montag an das Tragen von Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht sein.

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