krone.at-Kolumne

Die EU muss nach der Corona-Krise Lehren ziehen

Ausland
01.04.2020 11:55

Die letzten Wochen waren geprägt von nationalen Alleingängen, Grenzschließungen und einer „Jeder für sich“-Mentalität. Das passt wenig zur vielbesungenen europäischen Solidarität. Auch wenn sie es noch nicht wahrhaben will: Die Corona-Krise führt die Europäische Union vor. Vielleicht nicht jetzt, aber irgendwann muss sie daraus Lehren ziehen.

Schon klar: Gesundheitspolitische Fragen liegen in der Kompetenz der einzelnen Mitgliedstaaten. Das macht im Alltag auch Sinn. Inmitten dieser globalen Pandemie zeigt es aber, wie handlungsunfähig die Europäische Union bei wirklich existentiellen Fragen ist. Denn wenn eine Gemeinschaft es nicht einmal schafft, in einer Situation zusammenzustehen, in der es um Leben oder Tod geht - wofür braucht es sie dann?

Ein besonders trauriges Beispiel ist Italien. Es wurde in dieser schwierigen Krise sich selbst überlassen. Finanzielle Unterstützung, koordinierte Hilfslieferungen oder ein gemeinsames Krisenmanagement? Fehlanzeige. Italien darf nur als besonders abschreckendes Beispiel in getragenen Reden der EU-Politiker herhalten. Aber von Beileidsbekundungen ist noch keiner gesund geworden.

Italien sollte auf die Europäische Union sauer sein
Dass stattdessen China einspringt und Italien mit Hilfsgütern, Medikamenten und entsandten Virus-Experten hilft, sollte doppelt zu denken geben. Genau das, was die europäische Gemeinschaft nicht geschafft hat, erledigt nun auf kurzem Weg und ohne große Bürokratie ein anderer. Das ist ein Versagen - da hilft auch kein waidwundes Solidaritäts-Geplänkel.

Frittierbräune statt Corona-Krisenkonzepte
Zu Recht stößt es vielen Europäern sauer auf, dass die Union bei Fragen der Frittierbräune und Bananenkrümmung schnell Verordnungen und Richtlinien parat hat und bei gesamteuropäischen Krisenkonzepten in der Corona-Krise die Hände in den Schoß legt. Der Eindruck einer Schönwetter-EU besteht zu Recht. Der Unmut Vieler ist verständlich.

Krisenzeiten lehren immer, wo ein System hakt
Man wird nach dieser Krise ernsthaft darüber nachdenken müssen, welche Aufgaben die EU tatsächlich erfüllen kann - und welche nicht. Eine schonungslose und realitätsnahe Analyse darüber, was die Mitgliedsstaaten überhaupt noch bereit sind, für den Solidaritätsgedanken zu leisten, wäre ebenso angebracht.

Natürlich ist die Corona-Krise eine Ausnahmesituation wie keine andere. Auch klar ist, dass aktuell die Bekämpfung des Virus an allererster Stelle steht. Dennoch sind gerade Krisenzeiten gute Lehrmeister, wo ein System funktioniert und wo es hakt. Wenn alles vorbei ist, muss Zweiteres angegangen werden. Es hakt nämlich gewaltig.

Katia Wagner, krone.at

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