27.03.2020 07:00 |

„Stille Helden“

Die Post bringt auch in der Krise allen was

Nach wie vor stellen Vorarlbergs Postler jeden Tag Briefe und Pakete zu - und das sogar in den Quarantänegebieten. Die Angst vor einer Ansteckung fährt allerdings immer mit.

Ein herzliches „Grüß Gott“ - das hört der kontaktfreudige Briefträger Paul Dünser derzeit kaum noch. Er schiebt seit 37 Jahren mit Freude Dienst bei der Post. „Rund 98 Prozent der Kunden halten Abstand und bleiben im Haus, wenn ich komme“, berichtet er von seinen Erfahrungen an der „Front“. Zusatz: „Und das find ich auch gut so.“

Dünser beliefert pro Tag rund 500 Haushalte zwischen Feldkirch und Schlins mit Briefen und Paketen - bei letzteren ist der Umsatz aus nachvollziehbaren Gründen zuletzt um rund zehn Prozent gestiegen. „Angst um mich persönlich wegen des Corona-Virus habe ich eigentlich keine“, sagt der 57-Jährige, „fürchten tu ich mich eher vor Hunden.“ Immerhin sei er schon 15 Mal gebissen worden. Was ihm aber Sorgen bereitet: „Ich habe ehrlich gesagt Bammel davor, dass ich den Virus nach Hause zu meiner Frau bringen könnte.“

Paul Dünser ist so zusagen ein „gebranntes Kind“, denn er und seine Gattin wohnen im Quarantänegebiet von Nenzing. Da die Post zur „kritischen Infrastruktur“ gehört, darf er mit einer Bescheinigung des Innenministeriums die Quarantänezone aber verlassen. „Die Polizei kontrolliert jeden Morgen meine Papiere, wenn ich die Schranke passieren will, um zur Arbeit zu fahren.“ Selbiges passiert, wenn seine Kollegin von der Zustellbasis Thüringen hineinfahren will, um im Quarantänegebiet die Post zu verteilen.

Generell ist das Unternehmen sehr darum bemüht, die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten: „Wir haben auf kontaktlose Zustellung umgestellt“, erklärt Personalvertreter Franz Mähr. Dafür wurde in der vergangenen Woche von der Bundesregierung sogar das Zustellgesetz geändert: Briefträger dürfen dieser Tage Pakete und Einschreibbriefe einfach abstellen oder in den Briefkasten werfen. „Ich klingle, gehe in mein Auto zurück und informiere die Leute über die Zustellung“, erklärt Dünser. Zudem werden alle Mitarbeiter von der Post mit Desinfektionsmittel und Handschuhe eingedeckt.

„Postler sind stille Helden des Alltags“

Paul Dünser ist froh, dass sich die meisten Kunden konsequent an die Vorgaben halten. Leider gebe es aber auch immer noch welche, die - bewusst oder unbewusst - die Abstandsregeln missachten würden. „In größeren Wohnhäusern passiert es schon mal, dass sich jemand beim Posteinsortieren neben mich stellt und ein Gespräch anfängt. Wenn ich aber darum bitte, Abstand zu halten, sehen das alle gleich ein.“ Für Personalvertreter Mähr sind die Postler „stille Helden des Alltags“, gleiches gelte für die Schaltermitarbeiter.

Die Postämter haben bekanntlich immer noch geöffnet, allerdings dürfen maximal drei Kunden gleichzeitig den Raum betreten. Zudem wurden alle Schalter mit Plexiglasscheiben versehen. Um den Betrieb auch bei einer Verschärfung der Lage aufrecht erhalten zu können, wurden die Mitarbeiter in Teams aufgeteilt und die Arbeitszeiten so verschoben, dass die Mannschaften nicht aufeinandertreffen. Wenn Sie also nächstes Mal einen Briefträger sehen: Winken Sie freundlich, aber halten Sie Distanz! 

Philip Vondrak

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