Verhalten ändern!

Psychologe betont: „Hamsterkäufe sind unsinnig“

Österreich
13.03.2020 08:18

Der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein hält im Zuge der Corona-Krise Hamsterkäufe zum jetzigen Zeitpunkt für „irrational“ und „unsinnig“. Viel wichtiger sei es, eigene Verhaltensweisen - Stichwort Händehygiene sowie Nies- und Hustkultur - zu ändern. Doch falle es vielen leichter, das eigene Wohlbefinden durch den Kauf einer Packung Toilettenpapier herzustellen, so Binder-Krieglstein.

Es sei ungleich schwieriger, eine Strategie anzuwenden, die das gewohnte Verhalten verändert - etwa zu hinterfragen und darauf zu achten, wie oft man eigentlich Oberflächen berühre, die potenziell infektiös sind, und sich danach im Gesicht berührt, betonte Binder-Krieglstein.

Psychologe Cornel Binder-Krieglstein (Bild: ORF)
Psychologe Cornel Binder-Krieglstein

„Psychische Stabilität“
Toilettenpapier nun in großen Mengen zu bunkern, finde er grundsätzlich unsinnig. Auch, dass dieses nun mit Grundnahrungsmitteln gleichgesetzt werde, sagte der Psychologe in Anspielung auf Bilder von leer geräumten Supermarktregalen. Andererseits seien solche Strategien „wahnsinnig wichtig“, damit das Individuum das Gefühl hat, Maßnahmen setzen zu können, „aus der Ohnmacht herauszukommen“, so Binder-Krieglstein. Diese Strategien, die dabei helfen, Gegenmaßnahmen zu setzen, würden dem Einzelnen den Umgang mit einer Krise erleichtern und so für „psychische Stabilität“ sorgen.

Kunden warten am 13. März vor einem Supermarkt in Deutsch-Wagram, der aufgrund des enormen Andrangs gesperrt wurde. (Bild: APA/HARALD SCHNEIDER)
Kunden warten am 13. März vor einem Supermarkt in Deutsch-Wagram, der aufgrund des enormen Andrangs gesperrt wurde.
Leere Regale in heimischen Supermärkten (Bild: Christian Jauschowetz)
Leere Regale in heimischen Supermärkten

„Impuls für Hamsterkäufe kommt von der Angst vor Einschränkungen“
Der Impuls für Hamsterkäufe komme vor allem von der Angst vor möglichen Einschränkungen. Diese evoziere Verhaltensweisen, die versuchen, das zu kompensieren, erklärte der klinische und Gesundheitspsychologe. Grundsätzlich sei Angst nützlich, unabdingbar und überlebenswichtig, weil sie als Sensorium für Grenzen diene, hielt Binder-Krieglstein fest. Nun gelte es, diese Energie, die als negativ erlebt werde, in eine „produktive Strategie“ umzuwandeln und nicht in eine „Panikreaktion“ und „kopfloses Handeln“ zu verfallen.

Ein voller Einkaufswagen mit Lebensmitteln (Bild: APA/Barbara Gindl)
Ein voller Einkaufswagen mit Lebensmitteln

Zeit, die man in den kommenden Wochen mit weniger sozialen Kontakten und vermehrt zu Hause verbringt, solle man „bewusst für sich einsetzen“ und nützen, um etwa das Heim gemütlich zu machen, aufzuräumen, Ordnung zu machen, Sprachen zu lernen, so Binder-Krieglstein.

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