Coronavirus in OÖ

Scherz auf den Lippen, aber die Angst im Nacken

Wie reagieren wir Oberösterreicher auf die Corona-Maßnahmen? Beim „Krone“-Lokalaugenschein auf der Linzer Landstraße und in zwei Einkaufszentren war Unsicherheit spürbar, viele nehmen’s mit Humor.

Schauplatz: Ein Kaffeehaus im Linzer Passage. In den Gängen herrscht zwar zur Mittagszeit gähnende Leere, vereinzelt treffen sich die Menschen aber doch noch auf Espresso, Kuchen und den einen oder anderen „Beruhigungs-Spritzer“, plaudern zwanglos über Corona, scherzen. Ignorieren tut’s niemand mehr, ganz ernst nehmen die unsichtbare Gefahr trotzdem noch nicht alle. „Schon wieder eine Stornierung“, hört man den Kaffeebetreiber etwas niedergeschlagen hinter dem Tresen sagen. Die Auswirkungen sind spürbar, schön langsam kommen wir Oberösterreicher ins Grübeln.

„Corona“ - die neue Begrüßungsformel
Auf der Linzer Landstraße ein ähnliches Bild: Die Straßenbahnen halbvoll, die Blicke ängstlich in Richtung jener, die sich trauen zu husten. Belauscht man die Gespräche, gibt’s nur ein Thema: Corona. Ein paar Schülerinnen durchforsten das Internet, sagen: „In Italien sind schon wieder so viele Menschen gestorben. Schön langsam mach’ ich mir Sorgen, wie alles weitergeht.“ Man nimmt das Problem ernster, das anfängliche „mir egal“ wird weniger. Trifft man jemanden, den man kennt, streckt man reflexartig die Hand zum Grüßen aus, genauso schnell zieht man sie wieder zurück, und sagt: „Corona“ – die neue Begrüßungsformel.

Witz mischt sich mit Angst
Schauplatzwechsel in die Plus City. Auch hier gibt’s spürbar weniger Kunden: „Das ist schon seit zwei Wochen so“, sagt „Body Shop“-Filialleiterin Petra Reinthaller. Ganz viele wollen auch bei ihr Desinfektionsmittel kaufen – sie hat leider keins, die Schlange vor der Apotheke habe tagelang bis raus gereicht. In den Gängen des Shoppingcenters mischt sich Witz mit Angst, am Bauernmarkt trinkt man ein Seiterl Bier, scherzt über das Virus, das „sicher von der Regierung gesteuert ist.“ Hakt man nach, sieht man die Fassade langsam bröckeln – die Unsicherheit ist da, aber einschränken will man sich vorerst auf keinen Fall lassen. „Trifft eh nur die Älteren, um die müssen wir uns Sorgen machen. Uns wird’s schon nichts anhaben“, ist sich einer, der „trotz Corona rausgeht“, sicher.

Fazit nach ein paar Stunden an öffentlichen Plätzen: Die Angst ist da, die Scherze sitzen derzeit aber noch ziemlich locker auf den Lippen.

Lisa Stockhammer, Kronen Zeitung

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Sonntag, 20. September 2020
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