22.07.2010 15:48 |

Sensationsfund

Wiener Forscher finden Holz-Zwilling von Stonehenge

Österreichische und britische Forscher haben neben dem berühmten Steinkreis Stonehenge einen Holz-Zwilling des prähistorischen Monuments entdeckt. In Sichtweite der gigantischen Steine nahe der englischen Stadt Salisbury stießen sie auf einen verschütteten ringförmigen Graben samt kleinerer Gruben, in denen einst vermutlich Holzpfosten standen, berichtete Vince Gaffney von der Universität Birmingham am Donnerstag.

Die Wissenschaftler des Anfang Juli gestarteten "Stonehenge Hidden Landscapes Project", bei dem das Ludwig Boltzmann Institut (LBI) für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien federführend beteiligt ist, feierten die Entdeckung des Zwillings von Stonehenge als "unglaublich".

Im Rahmen des Projektes werden rund 14 Quadratkilometer Boden rund um Stonehenge mit geophysikalischen Methoden förmlich durchleuchtet. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Bodenradar sowie ein Magnetometer (das kleine Bild zeigt ein sogenanntes Graustufenbild der Magnetometer-Aufnahmen), das Strukturen im Untergrund anhand feiner Schwankungen des Magnetfeldes erkennt.

Zur selben Zeit wie Steinmonument erbaut
Die Archäologen entdeckten dabei eine kreisförmige Grube und mehrere Löcher (siehe kleines Bild). Nun vermuten sie, dass in den Löchern Pfähle steckten und sich eine frei stehende Holzkonstruktion über dem Graben befand. "Von der Form her kann man darauf schließen, dass es ungefähr zu der Zeit gebaut wurde, als Stonehenge seine volle Komplexität erreichte", erläuterte Gaffney, der das Millionen-Forschungsprojekt zur Erkundung des Steinkreises leitet.

"Dies ist erst der Anfang", erklärt Wolfgang Neubauer vom LBI Wien. "Wir werden das Monument mit einer Reihe von Techniken untersuchen, die es uns ermöglichen, den neuen Fund und die umgebende Landschaft in drei Dimensionen zu betrachten."

Sinn der riesigen Steine bis heute unklar
Bis heute ist nicht ganz klar, wofür das 4.500 Jahre alte Monument benutzt und wie die riesigen Brocken transportiert und aufeinander gestapelt worden waren. Experten vermuten, dass Stonehenge in der Zeit nach seiner Entstehung zunächst ein Friedhof war (Bericht in der Infobox).

In der Umgebung wurden bereits häufiger weitere prähistorische Spuren entdeckt. Der Fund des Holzkreises kam nun dennoch überraschend, sagte Gaffney: "Wir haben angenommen, wir hätten nur ein leeres Feld vor uns - jetzt haben wir ein wichtiges Zeremonie-Monument, das genau auf Stonehenge blickt." Es sei zu erwarten, dass die Forscher in Zukunft noch mehr finden. Stonehenge wird jedes Jahr von zahlreichen Touristen besucht.

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