24.02.2020 15:57 |

10-Punkte-Plan

Coronavirus: Bereits sechs Todesopfer in Italien

Innerhalb weniger Stunden hat Italien am Montag drei weitere Todesopfer bekannt gegeben, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen. Damit gibt es in der Region Lombardei aktuell fünf Todesopfer zu beklagen, in Venetien war am Freitag ein 78-jähriger Pensionist an den Folgen der Erkrankung gestorben. Ein Drohnenvideo aus dem lombardischen Casalpusterlengo zeigt nahezu menschenleere Straßen (siehe Video oben). Premierminister Giuseppe Conte veröffentlichte einen Zehn-Punkte-Plan mit wichtigen Informationen für die Bevölkerung zur Epidemie.

Erst am Vormittag war in der Lombardei, wo der Herd der Coronavirus-Epidemie lokalisiert wurde, der Tod eines 84-jährigen Mannes gemeldet worden, der im Krankenhaus von Bergamo wegen einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus behandelt worden und gestorben war. Nur wenige Stunden später wurde vermeldet, dass ein 88 Jahre alter Mann aus Caselle Landi gestorben war. Am Nachmittag hieß es zunächst, eine krebskranke Frau starb im Krankenhaus der lombardischen Stadt Brescia an dem Virus, später wurde diese Meldung zurückgezogen.

Ein 80-Jähriger aus der lombardischen Ortschaft Castiglione d‘Adda ist das sechste Opfer der Epidemie. Der Ort zählt zu den zehn Gemeinden der Provinz Lodi, in denen das Coronavirus am Freitag ausgebrochen war. Der Mann war am Donnerstag wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus von Lodi eingeliefert und positiv auf das Virus getestet worden. Er war nach Mailand überstellt worden, wo er am Montag im Krankenhaus Sacco starb.

Zuerst war am Freitag ein 78-jähriger Italiener aus der Nähe von Padua am Coronavirus gestorben, am Samstag vermeldeten die Gesundheitsbehörden den Tod einer 75-jährigen Frau in der Lombardei. Am Sonntag wurde der Tod einer Frau aus der lombardischen Stadt Crema bekannt.

Zivilschutz: „Man kann unbesorgt nach Italien reisen“
Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli gab bei einer Pressekonferenz in Rom am Montag bekannt, dass die Zahl der Infektionsfälle auf 219 gestiegen war. Neueste Meldungen sprechen bereits von 230 Erkrankten. Borrelli versicherte, dass Italien trotz der Infektionsfälle ein sicheres Land sei. „Man kann unbesorgt nach Italien reisen“, meinte der Zivilschutzchef.

Italien mit drittmeisten Fällen weltweit
Damit hat Italien nach China und Südkorea bereits die drittmeisten Fälle weltweit zu beklagen, noch vor Japan, Singapur und Hongkong und als einziges Land in Europa mit über mehr als 100 Infektionen. Alleine 167 Corona-Fälle wurden in der norditalienischen Lombardei gemeldet.

Hamsterkäufe in der Lombardei
Schon am Wochenende stürmten die Menschen in der Lombardei die Supermärkte, weil eine Lebensmittelknappheit befürchtet wird. Der lombardische Präsident Attiliio Fontana wiegelte jedoch ab, es bestehe „keine Gefahr“, dass Lebensmittel nicht geliefert werden könnten. In vielen Gegenden Norditaliens steht das öffentliche Leben praktisch still. Schulen, Museen und Universitäten bleiben vorerst geschlossen. 

Notfallmitteilung von Conte
Am Montagvormittag veröffentliche der italienische Premierminister Giuseppe Conte zehn „einfache und wichtige Informationen“ zur Coronavirus-Epidemie in Italien:

  1. Waschen Sie Ihre Hände oft
  2. Vermeiden Sie engen Kontakt mit Personen
  3. Berühren Sie nicht Ihre Augen, Nase und Mund
  4. Bedecken Sie Mund und Nase, wenn Sie niesen oder Fieber haben
  5. Nehmen Sie keine antiviralen Medikamente oder Antibiotika ein, es sei denn, diese werden von Ihrem Arzt verschrieben
  6. Reinigen Sie die Oberflächen mit Desinfektionsmitteln auf Chlor- oder Alkoholbasis
  7. Verwenden Sie eine Schutzmaske nur, wenn Sie den Verdacht haben, krank zu sein, oder um kranken Menschen zu helfen
  8. In China hergestellte Produkte und Pakete aus China sind nicht gefährlich
  9. Haustiere verbreiten das neue Coronavirus nicht
  10. Wenden Sie sich an Telefonnummer 1500, wenn Sie Fieber oder Husten haben und vor weniger als 14 Tagen aus China zurückgekehrt sind

EU-Kommission lobt Italiens Krisenmanagement
Die EU-Kommission lobte am Montag die Notfallmaßnahmen der italienischen Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie. Die italienische Regierung habe schnell gehandelt und „wirksame Strukturen geschaffen, um in gut abgestimmter Weise auf diesen Ausbruch zu reagieren“, sagte der für Krisenkoordination zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic in Brüssel und gab bekannt, dass die Europäische Union umgehend 232 Millionen Euro für den weltweiten Kampf gegen das Virus bereitstellen wird.

Ob einzelne EU-Länder Grenzkontrollen im Schengenraum durchführen möchten, liege in der Kompetenz der Mitgliedsstaaten, sagte Lenarcic. Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides richtete beruhigende Worte an die Bevölkerung der Europäischen Union: „Die EU-Bürger sollen nicht in Panik verfallen und auf Desinformationen über die Krankheit hereinfallen.“

Notstandsmaßnahmen in der Lombardei
Am Wochenende ergriffen die Behörden in den am stärksten betroffenen norditalienischen Regionen Notstandsmaßnahmen. Zu den abgeriegelten Gebieten gehören zehn Gemeinden in der Provinz Lodi in der Lombardei. Insgesamt sind etwa 50.000 Menschen direkt von den Maßnahmen betroffen.

Am Sonntag hatte die Lagunenstadt Venedig den weltberühmte Karnveval vorzeitig abbrechen müssen. Auch das Mailänder Opernhaus Scala sagte als Vorsichtsmaßnahme vorerst alle Aufführungen ab. 

Auch Griechenland bereitet sich vor
Nach der rasanten Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Italien hat jetzt auch Griechenland erste Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Seit Montagfrüh werden Besatzungen von Fähren, die zwischen beiden Ländern pendeln, informiert, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit mögliche Verdachtsfälle rasch isoliert werden können. Bereits am Sonntag hatte Athen alle künftigen Klassenfahrten nach Italien verboten. In Griechenland gibt es bisher noch keine Coronavirus-Infizierten.

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