24.02.2020 07:00 |

Gemeinderatswahl 2020

Geplantes Leitspital entzweit den Bezirk Liezen

Im Vorfeld der Gemeinderatswahl am 22. März nimmt die „Steirerkrone“ alle Bezirke unter die Lupe. Wir starten mit Liezen. Zwei Drittel der Ennstaler sprachen sich gegen ein neues Krankenhaus in Stainach aus. Ein Thema, das die Stammtische dominiert - wie auch die Fragen, ob lokale Bürgerlisten „Ortskaisern“ gefährlich werden und wie es mit den Zweitwohnsitzen weitergeht.

War es vor Jahren noch die „Ennstrasse“, die die Bevölkerung des größten Bezirks Österreichs entzweite, so sorgt mittlerweile das in Stainach-Pürgg geplante Leitspital für geteilte Meinungen. Zwei Drittel der Ennstaler sprachen sich bei einer Volksbefragung im Vorjahr gegen den Neubau auf der grünen (Sumpf-)Wiese aus, daran dürfte sich bis dato nichts Wesentliches geändert haben.

Grundstückspreise steigen in den Himmel
Vor allem nicht im WM-Ort Schladming, der sein DKH ja verlieren soll - hier werden die Pläne der Landesregierung mehrheitlich abgelehnt. Doch ein anderes Thema bewegt die Ski-Metropole aktuell noch mehr: die Diskussion um die Zweitwohnsitze. Auf den Punkt gebracht, fürchten die Schladminger den Ausverkauf ihrer Heimat und wehren sich gegen die ständig steigenden Grundstückspreise. Wer ein Ferienhaus im Grünen möchte, zieht mittlerweile „runter“ nach Aich oder Gröbming.

Neuer ÖVP-Spitzenkandidat hat nicht nur Freunde in Partei
Das alles kommt für die ÖVP Schladming zur Unzeit - denn sie geht durch politisch turbulente Zeiten. Erst der Rücktritt von Bürgermeister Jürgen Winter, dann der überraschende Rückzug seiner Nachfolgerin Elisabeth Krammel, und nun die Kandidatur von Siegfried Keinprecht, der nicht nur Freunde in seiner Partei hat: Trat er doch aus Protest gegen die Gemeindefusionen 2015 mit der Liste „Schladming Neu“ gegen die Volkspartei an, sie holte aus dem Stand 35,2 Prozent.

Ob er jetzt die (nur durch ein Mandat abgesicherte) schwarze Mehrheit im Gemeinderat verteidigen kann, steht in den Sternen. Hermann Trinker von der Bürgerliste stellt jedenfalls den Bürgermeisteranspruch.

Bürgerliste Haus gegen „lukrative Geschäfte“
Nicht viel anders sieht es in Haus im Ennstal aus. Auch hier überlagert der Streit um illegale Zweitwohnsitze und hohe Kosten für Einheimische alles. „Zukunftssichere Politik in Haus statt lukrativer Geschäfte“ verspricht Stefan Knapp (ihm gehört der von einem Großbrand schwer getroffene „Stefflbäck“) von der Bürgerliste Haus. Und geht damit in Opposition zum ÖVP-Ortschef Gerhard Schütter, der mit „Gemeindewohnungen nur für Hauser Bürger“ kontert.

Otto Marl will es noch einmal wissen
Im Ausseerland wiederum sind sich Rot und Schwarz alles andere als grün. Unter dem Loser zeichnet sich ein brisantes Duell zwischen Altbürgermeister Otto Marl und Amtsinhaber Franz Frosch ab. Haupt-Streitpunkt in Bad Aussee ist die drohende Schließung des örtlichen Spitals. Während der Rote Marl für einen Vollerhalt eintritt, tut sich Frosch schwerer mit der Argumentation - schließlich ist „seine“ Landes-ÖVP voll auf Kurs „pro Leitspital“.

Prominente Unterstützung für Ausseer Initiative
An den Gestaden des Altausseer Sees sorgt der „Dialog lebenswertes Altaussee“ für Wirbel. „Altaussee darf nicht Hallstatt werden“, lautet das Motto der neuen Bürgerliste, die mit Klaus Maria Brandauer und Barbara Frischmuth prominente Unterstützer hat. Sie sieht das Engagement nicht-einheimischer (Tourismus-)Investoren sehr kritisch. Mittlerweile hat sich aber bereits eine Gegeninitiative, angeführt von Wirtschaftstreibenden, gebildet.

„Grimmingdialog“ tritt nicht mehr an
Ein spannender Wahlsonntag steht auch in Bad Mitterndorf bevor: Der „Grimmingdialog“, bis dato zweistärkste Kraft im Gemeinderat, tritt nicht mehr an, weil sich die „Liste Ritz“ unter Bürgermeister Klaus Neupers Vorgänger Manfred Ritzinger wieder mit der SPÖ zusammengeschlossen hat. Wird es für die Sozialdemokraten unter der Kulmschanze also die berühmte „gmahte Wiesn“? Man wird sehen...

Während es für die ÖVP in Wörschach unter dem beliebten Ortschef Franz Lemmerer keine bösen Überraschungen geben dürfte, sind sie in Lassing völlig ausgeschlossen: Hier tritt nur die ÖVP an!

Umfahrung dominiert in der Bezirksstadt
Wie schaut’s in der Bezirkshauptstadt aus? Nun, in Liezen haben die Roten seit Jahrzehnten das Sagen, und auch unter Roswitha Glashüttner, die sich ihrer ersten Wahl stellt, dürfte sich daran nichts ändern. In den Augen der meisten Liezener macht sie ihre Sache gut, auch wenn es um die geplante Umfahrung der staugeplagten Einkaufsstadt an den Stammtischen immer wieder Debatten gibt.

Wesentlich aufregender wird es dagegen in der Palten-Stadt Rottenmann, die ebenfalls ihr Krankenhaus verlieren soll. Hier machen sich die Kommunisten für eine Erhaltung stark, aber auch Bürgermeister Alfred Bernhard von der ÖVP gilt als erbitterter Gegner des geplanten Zentralspitals. Und Michael Fölsner, Sprecher der Spitals-Bürgerinitiative, unterstützt die Liste Wir.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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