21.02.2020 20:07 |

Schnell, aber teuer

Eurofighter-Nachfolger: Ende der Überschall-Ära?

Draken, Tiger, Eurofighter: Seit 1988 leistet sich die Republik Kampfjets, die schneller als der Schall sind. Dieser Mehrwert ist teuer erkauft. Doch ist er auch notwendig?

Eines vorweg: Der Eurofighter wird noch länger über Österreich donnern. Die 2007 eingeführten Jets sind abbezahlt und haben erst ein Drittel ihrer Lebenszeit erreicht. Piloten wie Techniker wurden teuer ausgebildet. Ihn von heute auf morgen stillzulegen, wäre wirtschaftlicher Wahnsinn. Doch nach einer Nachfolgelösung wird längst gesucht: Mit Airbus gibt es aktuell massive Verwerfungen, das Trainerflugzeug Saab 105 darf jetzt zwar wieder, aber ab 2021 nicht mehr fliegen. Doch wollen wir uns weiterhin teure Überschalljets leisten? Die „Krone“ analysiert.

Was bedeutet Überschallflug eigentlich?
Schall breitet sich je nach Temperatur mit rund 1220 km/h aus, in großer Höhe etwas langsamer. Nähert sich ein Jet dieser Geschwindigkeit, verdichtet sich die Luft vor ihm, das Flugzeug „steht an der Schallmauer an“. Erst durch spezielle Bauform und starke Triebwerke kann sie überwunden werden, der Betrieb solcher Flugzeuge ist aber teuer.

Wovon reden wir?
Die Flugstunde eines Überschall-Jets kostet konservativ gerechnet mit 30.000 Euro rund zehnmal soviel wie die eines modernen Unterschall-Jets.

Wann macht Überschallflug Sinn?
Im Aufklärungseinsatz, im Kampfeinsatz gegen andere schnelle Jets, oder allgemein in Konfliktsituationen, um schneller in oder aus Gefahrengebieten zu kommen.

Wofür nutzt das Heer seine Überschall-Fähigkeiten?
In Ausnahmefällen, um Passagierflugzeuge zu identifizieren, die sich meist aufgrund von Pilotenfehlern nicht am Funk melden („Commloss“) und nur kurze Zeit über dem Staatsgebiet verbringen. Meist reicht aber die Vorwarnzeit des sehr weit reichenden „Goldhaube“-Radars (siehe Grafik), um auch im Unterschallbereich ohne lauten Überschallknall am Boden die Maschinen abfangen zu können.

Und wenn fremde Militärflugzeuge Österreich überfliegen?
Dann tun sie das ebenfalls im Unterschall-Bereich. „Die Flüge sind lange im Vorhinein angemeldet. Um Nachschau zu halten, ob tatsächlich die angemeldeten Maschinen - wie vorgesehen ohne Bewaffnung - das Staatsgebiet überqueren, reicht ein Unterschall-Einsatz“, erklärt Luftfahrtexperte Georg Mader im „Krone“-Gespräch. „Einzelne Extremfälle von schnell fliegenden Flugzeugen, die nur ein kurzes Stück über Österreich ,abschneiden’, wird man mit Unterschall-Jets allerdings nicht erreichen.“

Geht es also auch ohne Eurofighter?
Aus Sicht des Steuerzahlers wäre es unklug, die bereits abbezahlten Kampfjets überstürzt stillzulegen. Mittelfristig aber könnte parallel zum Eurofighter-Betrieb der Umstieg auf eine moderne, günstige Unterschall-Alternative angestrebt werden, wie etwa auf die viel zitierte M346 aus Italien (siehe unten). Mit dem Ziel, in zehn, 20 Jahren nur noch ein günstiges, dafür etwas langsameres System an den beiden Standorten Zeltweg und Hörsching zu betreiben.

Und die Politik?
Die entscheidet. „Für uns Soldaten ist es einfacher“, sagt Bundesheer-Sprecher Oberst Michael Bauer. „Wir sind gewohnt, zu gehorchen. Wir fliegen das Gerät, das man uns gibt.“

Die Überschall-Ära in Österreich: Viel Geld, viel Leistung, wenig Jets

1988: Als erstes Flugzeug im Inventar des Bundesheeres durchbricht der schwedische Draken die Schallmauer. Treibstoffverbrauch: bis zu 300 Liter pro Minute - bei einem internen 2760-Liter-Tank.

2005: Als Übergangslösung fliegen relativ alte, aber dennoch überschallfähige F5-E Tiger aus der Schweiz drei Jahre lang über Österreich. Bekannt als Feinddarsteller aus dem Film „Top Gun“.

2007: Als modernstes und schnellstes Flugzeug des Bundesheeres stehen aktuell 15 Stück der Eurofighter EF 2000 in Zeltweg. Fünf Stück davon sind permanent einsatzbereit, der Rest in Wartung.

Paul Tikal
Paul Tikal
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