04.02.2020 07:20 |

„Krone“-Kolumnisten

Ski-Team: Bei einigen passt die Einstellung nicht!

Ski-Österreich liegt am Boden! Garmisch brachte mit Manuel Feller als 28. und Bestem des rot-weiß-roten Teams das historisch schlechteste Ergebnis in einem Herren-Weltcup-Riesentorlauf aller Zeiten, aber auch sonst sieht die Zwischenbilanz keineswegs rosig aus. Bei den Herren gab es bislang lediglich drei Siege des Matthias Mayer und einen von Vincent Kriechmayr, bei den Damen überhaupt nur einen durch Nicole Schmidhofer. Und in keiner einzigen Teamwertung liegt die einstige Ski-Nation Nummer 1 derzeit voran.

Die „Krone“ bat deshalb ihre Star-Kolumnisten zur Ursachenforschung.

Schranz: Hirscher hat sehr viel wettgemacht
Eigentlich dachte ich mir, dass es nach Hirscher der eine oder andere Läufer schaffen kann, vorne reinzufahren. Aber man sieht, wie neulich beim Riesentorlauf in Garmisch, dass Marcel sehr, sehr viel wettgemacht hat. Ein gewisses Manko hatten wir ja auch schon zu seinen Zeiten. Denn die Mannschaft hat sich auf ihn, dem Leithirsch, gestützt. Jetzt wo er wegfällt, ist nicht mehr so viel drinnen. Aber es kommt wieder. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn die Jungen, die noch ein bisschen brauchen, trainieren brav und gut. Jetzt geht es darum, dass sie in nächster Zeit näher an die Spitze herankommen. Ich bin überzeugt: Wenn der eine oder andere zulegt, können wir unter die Top Zehn kommen.

Nicht vergessen sollte man den mentalen Aspekt. Der Kopf spielt immer mit. Zeigt sich auch bei Matthias Mayer im Speed-Bereich. Wenn du vorne dabei bist, wächst das Selbstvertrauen und geht vieles leichter. Oder es färbt wie von Hirscher auch auf andere ab. Noch ein Wort zur Nationenwertung: Am Ende der Saison werden wir wieder vorne sein. Unsere Mannschaft ist so gut, dass wir einfach wieder ganz oben stehen werden. Diese Vormachtstellung geben wir sicher nicht her.

Eberharter: Für den Aufwand ist das zu wenig
Der Sport ist ein schnelllebiges Geschäft. Vor einer Woche herrschte noch Jubel über Kitzbühel, jetzt Katzenjammer über ein Debakel im Riesentorlauf von Garmisch. Allerdings ist dies nicht das erste desaströse Ergebnis der Saison. Man muss es klar sagen: Schon ein Top-10-Resultat ist für die Ansprüche in Österreich nicht genug, und jetzt gab es einige Rennen, in denen man sogar davon ein gutes Stück entfernt war.

Natürlich haben andere Nationen aufgeholt, sind Know-how und Trainer abgewandert, aber nach wie vor investiert kein Skiverband soviel wie der österreichische, bietet keiner derartige Möglichkeiten. Für diesen enormen Aufwand ist das zu wenig.

Einige Jahre lang haben Asse wie Marcel Hirscher oder auch Benni Raich vieles verdeckt. Wenn jetzt im Riesentorlauf Marco Schwarz sein Rennen verhaut, schaut es gleich böse aus. Österreichs Team ist ausgedünnt. Das liegt auch an der Einstellung einiger Läufer. Talent bringt dich nur bis zu einem gewissen Punkt. Vor allem muss man bereit sein, zu bluten, um Erfolg zu haben. Bei einigen habe ich den Eindruck, dass sie sich zu sehr mit Unfug wie sozialen Medien beschäftigen. Das kann nicht sein.

Lanzinger: Wir haben nicht mehr die Dichte
Eines ist klar: Dass es im Jahr eins nach Marcel Hirscher im Riesentorlauf hart wird, war vorherzusehen. Denn das ist die schwierigste Disziplin. Und in Garmisch ist viel zusammengekommen - das gab nicht das Potenzial unseres Teams wieder.

Die andere Sache ist aber: Es darf gar nicht so weit kommen. Manuel Feller und Marco Schwarz waren immer gut für Top-10-Ergebnisse. Der eine hatte Bandscheibenprobleme, der andere einen Kreuzbandriss. Allerdings fehlt die Reihe dahinter. Und da die Konstanz. Einige bringen ihrer Leistungen vom Europacup nicht in den Weltcup rüber. Wir haben einfach nicht mehr die Dichte. Und da gilt es anzusetzen.

Noch etwas zur Herangehensweise jedes Einzelnen: Es gibt einerseits Läufer, die es mit Lockerheit machen. Andererseits welche, die diesen gewissen Daseins-Druck brauchen. Dass es quasi ums sportliche Überleben geht. Doch dieser Druck ist derzeit nicht gegeben.

Kurzfristig ist speziell im Riesentorlauf wünschenswert, dass unsere Athleten wieder ihr volles Leistungsvermögen abrufen können. Ein starkes Team aufzubauen, das ist ein langfristiger Prozess. Da gibt mir eher die ganz junge, fast übernächste Generation Hoffnung - also ab den 2000er-Jahrgängen. Da kommt nämlich einiges nach.

Kronen Zeitung

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