02.02.2020 18:12 |

Darf Satire alles?

Satireheft stellt Kurz und Gabalier neben Hitler

Das deutsche Satiremagazin „Titanic“ und Bundeskanzler Sebastian Kurz werden wohl im Leben keine Freunde mehr werden. Drei Jahre, nachdem das Heft den Politiker als „Baby-Hitler“ verunglimpft und ihn - satirisch - auch „töten“ wollte, ziert sein Porträt die neueste Ausgabe der Zeitschrift. Neben Adolf Hitler, dessen Schäferhündin Blondi, Heinz-Christian Strache, Papst Benedikt oder Andreas Gabalier. Sie alle stehen dem Magazin zufolge für „100 Jahre NSDAP“. 

Wie das Magazin via Twitter ankündigt, würde mit dem Februar-Cover „eine deutsche Erfolgsgeschichte“ gewürdigt. Die „Titanic“ feiere „das wichtigste Jubiläum des Jahres!“

„Baby-Hitler töten“
Im Herbst 2017 hatte das Magazin schon einmal für Aufregung gesorgt, weil es eine Foto-Montage, die Bundeskanzler Sebastian Kurz im Fadenkreuz zeigt, ins Netz gestellt hatte. Dazu wurde gepostet: „Endlich möglich: Baby-Hitler töten!“ Die Wiener Polizei hatte daraufhin Ermittlungen aufgenommen und diese an die Berliner Justiz übergeben, damit überprüft würde, ob es sich um eine „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“ gehandelt habe.

Das Verfahren wurde eingestellt, weil Leser des Satiremagazins in dem „Baby-Hitler“-Bild keinen ernsthaften Aufruf zu einem Attentat erkennen würden. Das Magazin wärmte den umstrittenen Gag dann mehrmals auf. Für ein Verfahren wegen Beleidigung fehlte eine Strafanzeige des Kanzlers. Anfang Jänner griff auch eine deutsche NGO den Begriff auf.

Aufregung hält sich in Grenzen
Die Aufregung in den sozialen Medien hält sich über den neuerlichen Nazi-Vergleich unterdessen in Grenzen. Nur einige kritische Stimmen merkten an, dass der Hund nichts dafür könne oder dass man sich frage, wer auf dem Cover klagen werde.

Eine schriftliche Reaktion kam am Sonntag vom ÖVP-Nationaratsabgeordneten Martin Engelberg: „Bei allem Verständnis für Humor, Satire und Kritik. Es sollte jedem bewusst sein, dass es hier eine moralische Grenze gibt. Gerade in der Woche des Gedenkens an sechs Millionen ermordete Juden sollte man vor allem als Deutsche die nötige Sensibilität haben und erkennen, dass das kein gutes Thema für Satire ist. Hier besteht eine historische Verantwortung gegenüber den Opfern und ihren Familien“, so Engelberg.

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