05.01.2020 20:47 |

Erdogans Feldzug

Türkei beginnt mit Truppenentsendung nach Libyen

Nach der Ankündigung eines militärischen Eingreifens in Libyen hat Ankara mit der Truppenentsendung in das nordafrikanische Land begonnen. „Unsere Soldaten sind jetzt dabei, schrittweise dorthin zu gehen“, sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Sonntag. Das türkische Parlament hatte Erdogan dafür am Donnerstag grünes Licht gegeben. Die erste Aufgabe der türkischen Soldaten in Libyen sei die Einrichtung eines Einsatzzentrums, hieß es. 

Erdogan will die international anerkannte Regierung in Tripolis in ihrem Kampf gegen den abtrünnigen General Khalifa Haftar unterstützen. US-Präsident Donald Trump warnte Erdogan allerdings umgehend vor einem militärischen Eingreifen in Libyen.

Wie viele Soldaten und welche Art Truppen die Türkei schickt, blieb zunächst unklar. Erdogan sprach von „unterschiedlichen Teams“. Ein Kampfeinsatz sei nicht das Ziel der türkischen Soldaten, vielmehr sollten sie „die legitime Regierung unterstützen und eine humanitäre Tragödie vermeiden“.

Das Mandat für den Militäreinsatz in Libyen ist ein Jahr lang gültig. Bereits Ende November hatte Erdogan mit dem libyschen Ministerpräsidenten Fayis al-Sarraj ein umstrittenes Militärabkommen geschlossen. Darin wurde vereinbart, dass Soldaten und Polizisten zu Trainings- und Ausbildungszwecken ins jeweils andere Land geschickt werden können.

Der Libyen-Feldzug Erdogans verschärft auch die Spaltung Europas in dem Bürgerkrieg. Frankreich steht auf der Seite von General Haftar, Italien auf der Seite von Tripolis.

Türkisches Interesse an Erdgas im Mittelmeer
Erdogans militärisches Eingreifen soll der westlibyschen Regierung einen Befreiungsschlag aus der Umklammerung durch die gut ausgerüsteten Haftar-Truppen ermöglichen - und danach die Eroberung von Ostlibyen. In Libyen hat die Türkei großes Interesse an den Erdöl- und Erdgasstätten.

Im November Seegrenzen ausgeweitet
Ankara und Tripolis hatten im November noch ein zweites Abkommen unterzeichnet, das die türkischen Seegrenzen im östlichen Mittelmeer ausweitet - um die reichen Gasvorkommen vor der Küste Zyperns ausbeuten zu können. Bei den anderen Anrainerstaaten Griechenland, Zypern und Ägypten stieß die Vereinbarung auf scharfe Kritik, da sie ihre eigenen Rechte in der Region verletzt sehen.

In Libyen herrscht seit Gaddafi-Sturz Chaos
In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die international anerkannte Einheitsregierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar und seine „Libysche Nationalarmee“ kontrollieren den Osten des Landes, wo auch das Parlament seinen Sitz hat. Haftar startete vor acht Monaten eine Offensive auf Tripolis. Seither wurden nach UNO-Angaben mehr als 280 Zivilisten getötet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben. Der UNO-Sicherheitsrat rief zuletzt im Dezember zu einer Waffenruhe in Libyen auf.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 02. Juni 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.