Kein Sensationslauf

Bittere Realität - Ajax-Märchen war einmal

Für das Überraschungsteam der vergangenen Champions-League-Saison gibt es vorerst keine Wiederholung: Ajax Amsterdam, der Halbfinalist von 2019, schied nach einem 0:1 im eigenen Stadion gegen ein gewieftes Valencia aus. Hingegen im Achtelfinale dabei: Dortmund, das sich bei Tormann Roman Bürki und dem FC Barcelona bedanken durfte.

Schon ein Unentschieden in der heimischen Johan-Cruijff-Arena hätte Ajax für den Aufstieg gereicht, doch daraus wurde nichts. Der spanische Internationale Rodrigo schoss das Team, das im Vorjahr mit unbekümmertem Angriffsfußball die Königsklasse aufgemischt hatte, in die Europa League. Statt Sensationen gegen Juventus und Real Madrid könnten die Gegner im Frühjahr 2019 Salzburg oder LASK heißen.

„Wir waren bereits vor diesem Spiel knapp am Aufstieg dran“, wusste Trainer Erik Ten Hag mit Blick auf ein kurioses 4:4 bei Chelsea Anfang November. Damals verspielten die Niederländer nach zweimal Gelb-Rot sowie Elfmeter gegen sich eine Drei-Tore-Führung. „Das macht es umso bitterer. Wir hätten den Aufstieg verdient gehabt, aber wir haben ihn aus den Händen gegeben“, sagte Ten Haag, bemerkte aber auch: „Für einen niederländischen Verein muss alles passen, um in der Champions League eine gute Figur zu machen.“ Valencia (erstmals seit 2012/13) schaffte wie Chelsea trotz Zitterfinish mit einem 2:1 gegen Lille sowie Olympique Lyon (in Gruppe G hinter Leipzig) den Aufstieg.

Bürki, der Held
In der schwierigen Gruppe F wussten Dortmunds Sonntagskinder, wohin sie ihren Dank richten mussten: An Bürki und nach Mailand, wo Barcelona mit einem 2:1 Schützenhilfe leistete. Bürki ebnete mit zahllosen Weltklasse-Paraden beim glücklichen 2:1 über Außenseiter Slavia Prag den Weg. Die anschließenden Ovationen vor der Dortmunder Südtribüne gingen dem Schweizer sichtlich nahe. „Das hat mich unheimlich berührt. Daran werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern.“ Für den BVB könnte es nun ein Wiedersehen mit den früheren Trainern Jürgen Klopp (Liverpool) oder Thomas Tuchel (Paris) geben.

Barcelona war mitverantwortlich, dass die Deutschen zum sechsten Mal in den vergangenen acht Jahren die Gruppenphase der Königsklasse überstanden. Obwohl die bereits vorher für die K.o.-Runde qualifizierten Katalanen auf zahlreiche Stars wie Lionel Messi, Luis Suarez oder Sergio Busquets verzichteten, leisteten sie mit dem 2:1 bei Inter Mailand deutsche Schützenhilfe. Ansu Fati avancierte mit seinem Treffer in der 86. Minute zum Matchwinner und mit 17 Jahren und 40 Tagen zum jüngsten Champions-League-Torschützen aller Zeiten.

Die Italiener mit ÖFB-Teamspieler Valentino Lazaro scheiterten wie im Vorjahr trotz ausgezeichneter Ausgangsposition. „Ich kann meinen Spielern keine Vorwürfe machen, sie haben alles gegeben“, sagte Coach Antonio Conte. „Wir hatten genug Chancen, um das Spiel zu gewinnen, haben aber die Präzision im Abschluss vermissen lassen.“

Ancelotti entlassen
In Neapel konnte selbst der Aufstieg in der Salzburg-Gruppe Startrainer Carlo Ancelotti nicht retten: Der Abgang des Trainer-Sirs war nach 15 Meisterschaftsrunden mit nur 21 Punkten wohl bereits zuvor festgestanden. Die „Freundschaft und der gegenseitige Respekt“ zwischen Ancelotti und Clubpräsident Aurelio De Laurentiis blieben jedoch bestehen, teilte der Club am späten Dienstagabend mit. Ancelotti, der die Champions League mit Milan und Real Madrid bereits gewann, wird ein gefragter Mann bleiben. Italienischen Medien zufolge sitzt der 60-Jährige schon auf gepackten Koffern in Richtung London, wo er den Arsenal FC trainieren könnte.

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