23.11.2019 09:00 |

Alpinpolizei

Kärntens uniformierte alpine Spezialeinheit

Unsere Alpinpolizisten sind die Spezialisten, wenn es um Einsätze in den Bergen geht. Wir besuchten die Profis am Teischnitzkees.

Überall schimmert es blau-grün, es tropft nass von den glatten Wänden aus Schnee und Eis und es ist kalt, so richtig kalt. Der Lage zu entkommen, ist unmöglich, denn der einzige Ausweg ist mehrere Meter über mir und unerreichbar. Ich bin gefangen in einer Gletscherspalte.

Doch ich habe Glück, denn am Spaltenrand über mir stehen mehrere Alpinpolizisten und bereiten sich auf die Abschlussprüfung ihrer Ausbildung zum Hochalpinisten vor. Ich werde gerettet.

„Egal, ob Unfallerhebung oder Suchaktion, wenn in den Bergen etwas passiert, dann sind wir gefordert!“, so Sepp Bierbaumer von der Alpinpolizei Kärnten. Als erfahrener Polizei-Bergführer weiß er, worauf es in solchen Situationen ankommt. Mehrere Kurse in Fels und Schnee mussten die Polizisten Nicolas Graf von der Inspektion Eberndorf, Florian Granitzer (PI Feistritz/Drau) und Markus Kerschbaumer (PI St. Veit) bereits meistern, um überhaupt erst zur Abschlussprüfung antreten zu können. „Wir bilden Profis aus“, fügt Sepp hinzu. Polizei-Hochalpinisten können die Führungsarbeit übernehmen und wissen, worauf es im Ernstfall im alpinen Gelände ankommt.

„Bei der Abschlussprüfung müssen die Polizisten ihr Können am Gletscher unter Beweis stellen“, so Sepp. Eine der zu erfüllenden Aufgaben ist es, sich selbst aus einer Gletscherspalte zu retten. „Dazu wendet man die Prusik-Methode an“, erklärt der Polizei-Bergführer. Benötigt werden zwei Reepschnüre, mit denen Prusik-Knoten in das vorhandene Sicherheitsseil - am Gletscher ist man als Seilschaft unterwegs - geknoten werden. Sepp: „Der Prusik ist ein Klemmknoten, der sich unter Belastung zuzieht und bei Entlastung lockert.“

Geschafft. Alle drei Kandidaten lösten die Aufgabe mit Bravour. Nach der ebenfalls erfolgreichen Kameradenbergung bin ich dran. Mittels Mannschaftszug - der häufigsten Form der Bergung aus einer Gletscherspalte - ziehen mich die drei Alpinpolizisten aus meinem eisigen Gefängnis. Zum Glück war es nur eine Übung. In einer Gletscherspalte möchte ich echt nicht gefangen sein. „Deshalb ist es auch so wichtig, dass man die Techniken und das Verhalten beherrscht, wenn man auf Gletschern unterwegs ist“, so Sepp.

Während ich mich aufwärmen kann, müssen meine Retter nochmals ran. Sepp erklärt das Szenario: „Eine ganze Seilschaft ist in einer Spalte verschwunden. Sie konnten einen Notruf absetzen und uns die Koordinaten übermitteln.“

Bei dieser Aufgabe geht es darum, einen Ernstfall zu simulieren. „Die Kollegen müssen den Fall selbst lösen, egal wie.“ Und schon machen sich Nicolas, Florian und Markus am Seil gesichert in den Gletscherbruch des Teischnitzkees unterhalb des Großglockners auf, um die Alpinisten zu suchen. Die beiden Profi-Alpinpolizisten Günther Steinwender von der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) Hermagor und Horst Wohlgemuth haben sich dafür extra ins wildeste Gletschergelände gewagt und sich in eine Spalte abgeseilt. Alle drei Kandidaten schafften die Prüfung und sind nun ein Teil der alpinen Spezialeinheit Kärnten, den Alpinpolizisten. Berg Heil.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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