30.10.2019 09:34 |

„Rache für Offensive“

Massaker an Armeniern für USA nun auch Völkermord

Nach entsprechenden Resolutionen in mehr als einem Dutzend anderer Staaten in den vergangenen Jahren haben nun auch die USA die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord eingestuft. In der Resolution des Repräsentantenhauses heißt es, die USA würden den Völkermord an den Armeniern anerkennen und die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich verurteilen. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches erklärte am Mittwoch, die Regierung und das Volk hielten die Resolution für „völlig null und nichtig“.

Die Resolution richte sich nur „an die armenische Lobby und antitürkische Gruppen“, hieß es aus dem Außenministerium in Ankara. Außenminister Mevlüt Cavusoglu warf den USA via Twitter vor, die „antiquierte Resolution“ sei Rache für die türkische Militäroffensive in Nordsyrien. „Kreise, die glauben, dass sie sich auf diese Weise rächen werden, irren sich.“

US-Botschafter in Ankara vorgeladen
Der US-Botschafter wurde kurzerhand ins Außenministerium in Ankara zitiert. Ein weiterer Grund für die Maßnahme waren auch die nach der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien verhängten US-Sanktionen gegen die Türkei.

Die Türkei gesteht zwar den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Krieges zu, weist aber die Einstufung als Völkermord strikt zurück. Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern.

Zuletzt ähnliche Resolution im deutschen Bundestag
Der deutsche Bundestag hatte im Juni 2016 in einer Resolution ebenfalls von Völkermord an den Armeniern gesprochen. Das hatte zu einer starken Verschlechterung der deutsch-türkischen Beziehungen geführt. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte die Resolution als für ihre Regierung rechtlich nicht bindend.

Auch Österreich, Frankreich, Russland, die Schweiz, die Niederlande und mehr als ein Dutzend weiterer Staaten werten das Blutbad an den Armeniern als Völkermord. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit Langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen.

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