24.10.2019 13:47 |

Marieke Vervoort

Sterbehilfe: Paralympics-Königin beendet ihr Leben

Die ganze Sportwelt spricht in den letzten Tagen von Marieke Vervoort. Am Dienstag ist die Belgierin im Alter von 40 Jahren verstorben. Die Handbike-Paralympicssiegerin ist mittels Sterbehilfe aus dem Leben geschieden. In Belgien ist das gesetzlich erlaubt.

Marieke Vervoort: So vieles fällt einem ein, wenn man diesen Namen hört. Die Paralympics-Königin aus Diest (Belgien) holte 2012 in London Gold über 100 Meter und Bronze über 200 Meter im Handbiken. 2016 in Rio setzte sie noch eine Silber und eine -Bronzemedaille darauf, obwohl sie schon damals unter extrem starken Schmerzen litt. Sie wurde bei der belgischen Sportlerwahl des Jahres 2016 Zweite hinter dem Fußballer Kevin de Bruyne. Jeder Belgier kannte ihre Geschichte. „Ein wahrer Champion und eine Quelle der Inspiration“, twitterte Tennis-Grand-Slam-Gewinnerin Kim Clijsters zum Tod ihrer Landsfrau, „aber vor allem war sie eine wunderbare, warmherzige Frau.“

Geplanter Tod
„Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben und starb so, wie sie es sich gewünscht hatte“, sagte ihr Leibarzt der belgischen Zeitung „De Standaart“. Noch einmal Anstoßen mit der Familie und Freunden - dann der Abschied. Das war ihr Wunsch. Die Handbikerin hatte ihren Tod seit 2008 geplant, am Dienstag (22.10.2019) war es soweit.

In Belgien ist Sterbehilfe erlaubt. Für Marieke Vervoort, die seit ihrem 14. Lebensjahr an einer degenerativen Muskellähmung litt, war schon seit 2008 klar, dass sie ihr Leben auf dieser Art beenden will, falls die Schmerzen nicht nachlassen. Und die haben nicht nachgelassen. Extreme Schmerzen prägten ihren Alltag, zuletzt verlor sie 80 Prozent ihres Sehvermögens, sie bekam epileptische Anfälle. Sie musste immer wieder ins Krankenhaus gebracht werden.

Kaum Schlaf
„Wenn ich auf meiner Handbike sitze und Rennen fahren kann, verschwinden alle Schmerzen. Wenn ich aber wieder auf dem Boden bin, überfällt mich die Dunkelheit. Es kommt vor, dass ich nur 5-10 Minuten in der Nacht schlafen kann, ich leide die ganze Zeit, ich kann nicht mehr“, sagte die Belgierin 2016 vor Rio. Sie sprach schon damals offen von ihrem Wunsch der Eutanasie. Zuvor aber wollte sie noch eine Bucket-List verwirklicht haben. So war sie im September 2017 Bungeejumpen und in einem Lamborghini über die Rennstrecke von Zolder gerast. Zudem schrieb sie als Mutmacher für Schicksalsgenossen zwei Bücher.

Vervoort hatte auch klare Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen. „Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken“, erklärte sie im Dezember 2017 dem Londoner „Telegraph“.

Die Dame, die immer lächelte
Nach ihrer Silbermedaille in Rio sagte sie: „Ich hätte gern, dass die Menschen mich so an mich erinnern, als die Dame, die immer lächelt. Ich lächle auch, wenn ich leide. Ich versuche mich nicht die ganze Zeit zu beklagen und die positiven Seiten zu sehen und auch die kleine Sachen zu genießen. Und ich hoffe, die Menschen lernen von mir, nie aufzugeben. Glaub daran, dass du es schaffst“. Und ihr letzter Instagram-Beitrag zeugt davon, dass sie es nie bereut hat, den Sport gewählt zu haben: „Ich kann die guten Erinnerungen nicht vergessen“, schrieb sie zum Abschied.

Hilfe in Krisen
Für Menschen in Krisensituationen und deren Angehörige gibt es eine Reihe von Anlaufstellen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

Telefonische Hilfe im Krisenfall gibt es auch bei:

● Telefonseelsorge 142, täglich, von 0 bis 24 Uhr.

● Kriseninterventionszentrum 01/406 95 95 (Montag bis Freitag, 10-17 Uhr); auch persönliche und E-Mail-Beratung: www.kriseninterventionszentrum.at.

● Sozialpsychiatrischer Notdienst / PSD Täglich, 0 bis 24 Uhr, Tel.: 01/31330

Angehörige finden Informationen und Materialien unter www.suizidpraevention.at und www.agus-selbsthilfe.de.

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