22.10.2019 10:34 |

„Krone“-Kommentar

Putins Plan für Syrien

Die weißen, klassizistischen Gebäude in dem weitläufigen Park in der glitzernden Schwarzmeerstadt Sotschi wirken eher wie ein Hotel oder besser noch ein Sanatorium für Superreiche denn wie ein Regierungsgebäude. Doch solange das Wetter schön ist, empfängt Kreml-Chef Putin lieber hier als im viel kälteren Moskau. Am Dienstag kommt der türkische Präsident Erdogan. Und das Thema ist heikel: Syrien, genauer Nordsyrien nach dem türkischen Einmarsch in Teile des dortigen Kurdengebietes.

Erdogan will dort ja entlang der fast 500 Kilometer langen Grenze einen 30 Kilometer tief in syrisches Gebiet ragenden „Sicherheitskorridor“ gegen die Kurdenmiliz YPG einrichten, die von ihm als Terrororganisation eingestuft wird. Türkische Truppen halten aber nur einen Abschnitt von maximal 100 Kilometern Länge, aus dem die Kurden auch bereits abgezogen sind. In die übrigen Gebiete ist großteils die Armee von Syriens Machthaber Assad eingerückt, den die Kurden um Hilfe gegen die Türken gebeten haben.

Am Dienstag läuft die Feuerpause aus. Putin hat aber mehrfach klargemacht, dass es keine Konfrontation der Truppen Assads und Erdogans geben dürfe. Und er hat erklärt, dass Syriens territoriale Einheit wiederhergestellt werden müsse. Putins Plan für Syrien dürfte mittelfristig daher einen Abzug der türkischen Truppen und ein Nachrücken syrischer Regierungseinheiten vorsehen. Erdogan wird das nicht gefallen. Aber hat er eine Wahl?

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung

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