29.09.2019 14:11 |

Chaos verdaut

Weißhaidinger: Volle Konzentration aufs Finale

Nach dem Schock in der Qualifikation, die Österreichs Diskus-Star Lukas Weißhaidinger mit allem Glück der Welt gerade als Letzter und Zwölfter überstanden hat, geht er in Doha mit neuem Optimismus und Selbstvertrauen in das WM-Finale am Montag (20.15 Uhr MESZ). Auch dort wird er ziemlich sicher nur mit seinem Ersatzdiskus werfen müssen - aber nach der Devise: „Die Quali abhaken - volle Konzentration aufs Finale!“ Und vielleicht doch die erträumte Medaille holen ...

Das Unverständnis, ja die Empörung, das unserem EM-Dritten sein Parade-Diskus für die WM nicht zugelassen worden ist, war auch Sonntag bei Weißhaidinger und Trainer Gregor Högler noch groß. „Wir sind ja keine Trotteln“, meinte Högler, der die Begründung, dass es eine Delle im Außenring der Scheibe gegeben haben soll, nicht nachvollziehen kann. Ihm ist kein Fall bekannt, bei dem zuvor bei einer Großveranstaltung ein Diskus abgelehnt worden sei. In Doha gleich in sechs Fällen. Es scheint so, als ob ein Kampfrichter päpstlicher gewesen sei als der Papst.

„Nicht förderlich“
Weißhaidinger: „Die Aufregung um den Diskus war natürlich nicht förderlich. Das ist so, wenn sie dir beim Weg auf die Tanzfläche die Tanzpartnerin wegnehmen.“ Anderer Vergleich: „Das ist rein mental natürlich kein gutes Gefühl. Dir fehlt das Vertrauen zum Arbeitsgerät.“ Zwar hat Österreich beim Weltverband protestiert und möchte, dass der zunächst abgelehnte Diskus doch noch zugelassen wird. Damit rechnet aber niemand im rot-weiß-roten Lager.

Und wie geht Luki jetzt ins Finale? „Eigentlich hat sich nichts geändert. Ich muss nicht zaubern. Wenn ich meine Bestform abrufen kann, dann werde ich vorne mitmischen. Der Wunsch wäre, gleich im ersten Wurf die Konkurrenz zu schocken. Aber das wollen alle anderen auch.“ Die Frage bleibt, wie er die Ersatzscheibe werfen kann. „Fliegen tut er gut, das haben die Würfe beim Aufwärmen gezeigt. Das weiß ich auch vom Training. Entscheidend wird sein, dass die Haftung Montag passt, dass mein Griff hält. Dann kann ich weit werfen. Davon bin ich felsenfest überzeugt!“ Högler und sein Schützling tüfteln jetzt, welche Harzmischung er auf die Finger nimmt, damit die Scheibe, die er zuvor nur im Training geworfen hat, möglichst weit fliegen kann.

„Eigentlich egal“
67 m, so Högler, müssten für eine Medaille reichen. Also weniger als vor der WM erwartet, denn generell war das Niveau in der Quali niedrig, in der Weißhaidinger nur 63,31 m warf. Högler: „In der Quali sind wir nur knapp an der Katastrophe vorbei, jetzt bleibt die Frage, ob Luki diese 67 m werfen kann …“ Normalerweise ja, aber mit dem Handicap des neuen Diskus ist dies halt fraglich. Die Quali hat der Oberösterreicher zumindest abgehakt: „Eigentlich ist es egal, ob ich mich als Erster oder Zwölfter fürs Finale qualifiziere. Montag geht’s von vorne los. Berlin hilft mir: Da hatte ich in der Qualifikation auch Probleme, im Finale lief’s nach Wunsch. Das ist auch mein Ziel für Montag.“

Einen ähnlichen Fall hat Luki übrigens schon einmal gut überstanden. Beim Hallen-Meeting heuer in Berlin war sein Diskus nach einem Versuch verschwunden (er war unauffindbar unter der Tribüne gelandet). Und dann hatte der Olympia-Sechste mit einem geliehenen Diskus doch triumphiert!

Edelmetall bleibt Lukis großer Traum. Hinter den großen Favoriten Daniel Stahl (Sd) und Frederick Dacres (Jam) lebt (zumindest) die Chancen auf Bronze. Dies wäre die erste Männer-Medaille für Österreichs Leichtathletik in der WM-Geschichte! Bisher gab es nur zwei Frauen-Medaillen durch Sigrid Kirchmann 1993 (Hochsprung-Bronze) und durch Steffi Graf 2001 (Silber über 800 m).

Olaf Brockmann

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