05.09.2019 16:39 |

Am Abschuss beteiligt?

Moskau will MH17-„Hauptverdächtigen“ von Kiew

Um die angespannten Beziehungen zu Russland zu verbessern, scheint der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu drastischen Schritten bereit: Denn der Staatschef steht kurz davor, einen „Hauptverdächtigen“ des Abschusses von Flug MH17, bei dem 2014 alle 298 Insassen einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines ums Leben kamen, im Rahmen eines groß angelegten Gefangenenaustausches an den Kreml zu übergeben. Aus Brüssel gab es bereits eine Warnung in Richtung Selenskyj, den Ukrainer nach Russland ausreisen zu lassen. Russischen und ukrainischen Medien zufolge macht Moskau die Ausreise aber zur Bedingung für den Gefangenenaustausch. Ein internationaler Streitfall droht.

Die Justiz legt dem Ukrainer Wladimir Zemach zur Last, auf der Seite prorussischer Separatisten in der Ostukraine gekämpft zu haben. Er soll für die Luftabwehr der Separatisten in Donezk zuständig gewesen sein. In dem Gebiet war 2014 die Passagiermaschine von Malaysia Airlines abgeschossen worden. Alle 298 Insassen des Flugs MH17, darunter 196 Niederländer, kamen ums Leben.

Womöglich im Zusammenhang mit dem angekündigten Gefangenenaustausch ordnete am Donnerstag ein ukrainisches Gericht die Freilassung des möglichen Schlüsselzeugen der Tragödie rund um Flug MH17 aus der Untersuchungshaft an. Der Richter in Kiew verfügte, dass Zemach allerdings im Land bleiben und weiter an seinem Prozess teilnehmen müsse.

EU-Abgeordnete warnen in offenem Brief vor Ausreise Zemachs
In einem offenen Brief hatten am Mittwoch 40 EU-Abgeordnete den ukrainischen Staatschef Selenskyj davor gewarnt, Zemach nach Russland ausreisen zu lassen. Schließlich handle es sich um einen „Hauptverdächtigen“ beim Abschuss von MH17, der bei den laufenden strafrechtlichen Ermittlungen zu der Tragödie nicht außen vor bleiben dürfe.

Archiv-Video zeigt Raketentransport vor MH17-Absturz

Zemach war Ende Juni vom ukrainischen Geheimdienst aus den besetzen Gebieten der Ostukraine nach Kiew gebracht worden. In einem Interview für separatistische Medien hatte der Ukrainer offen über den Abschuss der Maschine von Malaysia Airlines gesprochen und bestätigte dabei offenbar sogar, dass die Rakete, mit der Flug MH17 abgeschossen wurde, von einem russischen Buk-Raketensystem abgefeuert wurde.

Vier hochrangige Rebellen werden für Abschuss verantwortlich gemacht
Ende Juni hatten internationale Ermittler in den Niederlanden neue Erkenntnisse vorgelegt, wonach vier hochrangige prorussische Rebellen für die Tat verantwortlich sind. Ihnen soll ab März 2020 wegen 298-fachen Mordes der Prozess gemacht werden. Drei von ihnen sind russische Staatsbürger mit engen Kontakten zur russischen Armee. Auch die Waffe stammt den Ermittlern zufolge aus Russland, von der 53. Brigade der russischen Armee bei Kursk.

Der Prozess findet in den Niederlanden statt, weil das Land die meisten Opfer zu beklagen hat. Auch Menschen aus Malaysia, Australien, Indonesien, Deutschland und Belgien, von den Philippinen und aus Kanada und Neuseeland starben damals.

Russland weist bis heute jede Verantwortung zurück. Eine Überstellung müssen die wegen 298-fachen Mordes Verdächtigten deshalb nicht befürchten. Die Familien der Opfer erhoffen sich Klarheit - und eine Entschuldigung Russlands. Wladimir Zemach könnte wesentlich zur erhofften Aufklärung beitragen.

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