12.08.2019 12:57 |

Bedrohte Schönheiten

Schutz von Giraffen soll verstärkt werden

Wer an bedrohte Wildtiere denkt, dem fallen wohl als Erstes Panda, Tiger oder Nashorn ein, nicht so sehr die Giraffe. Dabei hat sich die Zahl der Tiere binnen 30 Jahren um knapp 40 Prozent verringert. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Giraffe seit 2016 als gefährdet ein, die sogenannte Massai-Giraffe in Tansania und Kenia gilt seit diesem Jahr sogar als stark gefährdet.

Auf der Weltartenschutzkonferenz vom 17. bis 28. August in Genf sollen die einzigartigen Langhälse auf Antrag mehrerer afrikanischer Staaten in das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) aufgenommen werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit der Mitgliedsstaaten notwendig.

Sollte die Giraffe künftig in Anhang II des Abkommens stehen, muss der Exportstaat eine Ausfuhrgenehmigung erteilen und darf dies nur, wenn die Arterhaltung nicht gefährdet ist. In EU-Mitgliedstaaten würde zudem eine Importgenehmigung fällig werden. Die Giraffe wäre dann im gleichen Maße wie Landschildkröten oder Krokodile geschützt. Für Große Pandas oder Elefanten besteht dagegen ein komplettes Handelsverbot.

Für Empörung sorgten erst vor Kurzem in sozialen Medien gepostete Bilder einer US-Jagdtouristin in Südafrika. Sie zeigen die Frau mit gerecktem Gewehr vor einer erlegten Giraffe. Nur in Namibia, Südafrika, Simbabwe und Teilen Sambias dürfen Giraffen legal gejagt werden.

Die Europäische Union will den Antrag „unter dem Leitbild des Vorsorgeprinzips unterstützen, um eine Gefährdung der gesamten Art in der Zukunft zu verhindern“, teilte ein Sprecher des deutschen Bundesumweltministeriums mit. Darauf hätten sich die Mitgliedsstaaten im Voraus verständigt.

Naturschützer für strengere Handelsauflagen
Im CITES-Antrag gibt es Zahlen für Trophäen-Importe in die USA: Zwischen 2006 und 2015 wurden demnach 39.516 Giraffenteile eingeführt, was mindestens 3751 getöteten Giraffen entsprach. Dazu zählten vor allem aus Knochen gefertigte Messer- oder Pistolengriffe, Häute oder Schwänze, die schon im alten Ägypten als dekorative Fliegenklatschen dienten. Hauptexporteure waren demnach Südafrika und mit Abstand dahinter Simbabwe und Namibia. Diese Länder wollen auch keine strengeren Handelsauflagen.

Auch die großen Naturschutzorganisationen müssten mehr für die Giraffe tun, sagt Axel Janke von der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. „Es gibt 300.000 Elefanten, aber nur 90.000 Giraffen“, sagt der Genetiker, der 2016 Gewebeproben von 190 wilden Giraffen aus unterschiedlichen Ländern untersuchte. Nach seiner Analyse gibt es sogar vier unterschiedliche Arten, nämlich die Nord-Giraffe, die Netzgiraffe, die Massai-Giraffe und die Süd-Giraffe.

Bestand im Niger hat sich erholt
„Ein Lichtblick ist, dass sich der Bestand im Niger erholt hat. Dort leben inzwischen wieder rund 400 Westafrikanische Giraffen, eine Unterart der Nord-Giraffen“, sagte Janke. Im krisengeschüttelten Südsudan zum Beispiel gebe es dagegen so gut wie keinen Schutz für die außergewöhnlichen Tiere.

 krone.at
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