30.04.2010 08:14 |

42 Festnahmen

Wien: Turbulente Demonstration gegen Abschiebung

150 bis 200 Demonstranten haben am Donnerstagabend in Wien rund zwei Stunden lang gegen die Überstellung eines Schubhäftlings vom Polizeianhaltezentrum Hernals ins Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände protestiert. Die nicht angemeldete Versammlung wurde gegen 21.30 Uhr von der Exekutive aufgelöst, wobei einige Männer und Frauen von Polizisten weggetragen werden mussten. 42 Demonstranten wurden vorläufig festgenommen.

Die Festnahmen erfolgten nach Angaben der Bundespolizeidirektion Wien wegen straf- und verwaltungsrechtlicher Delikte. Der Großteil der Festgenommenen wurden noch am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt, in den frühen Morgenstunden des Freitags befanden sich noch drei Personen in vorläufigem Gewahrsam. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion wurde drei Beamte der Sondereinheit WEGA verletzt.

Die Demonstration, die sich gegen 19.30 formiert hatte, richtete sich gegen die vermeintliche Abschiebung eines 25-jährigen Nigerianers. Per SMS war zuvor für den Protest mobilisiert worden. Dass es lediglich um eine Überstellung ging, wurde erst im Nachhinein bekannt.

"Kein Mensch ist illegal"
Die Demonstranten blockierten den Transport des Schubhäftlings, indem sie sich vor den Bus der Polizei setzten. Die Teilnehmer skandierten dabei unter Trommel-Begleitung Slogans wie "Kein Mensch ist illegal" und "Bleiberecht überall".

Der 25-jährige Nigerianer war am Donnerstagnachmittag beim Fußballtraining mit seinem Verein "Sans Papiers" auf der Marswiese in Hernals festgenommen worden. Laut Polizei hält sich der Mann illegal in Österreich auf, seit einem Jahr liegt ein Heimreisezertifikat vor. Da der Mann bezüglich dieser Angelegenheit nach mehrmaliger Aufforderung zu keiner Ladung erschienen sei, wurde die Festnahme angeordnet, so Polizeisprecherin Iris Seper.

Zweiter Nigerianer in Schubhaft
Gleichzeitig mit dem 25-Jährigen wurde ein weiterer Nigerianer in Schubhaft genommen. Er befindet sich im Polizeianhaltezentrum Hernals. Sein Landsmann wurde nach Auflösung der Demonstration ins PAZ Rossauer Lände gebracht.

Laut Polizei kam es bei dem Protest auch zu einer Sachbeschädigung: Die Demonstranten stachen den rechten Reifen des Arrest-Fahrzeuges auf. Wer genau die Kundgebung organisiert habe, wisse man noch nicht, so Seper. Nach Auflösung der Kundgebung zog ein Teil der Demonstranten zum Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände weiter. Die mehrspurige Fahrbahn des Gürtels war für den Verkehr stadtauswärts bis ca. 22.30 Uhr gesperrt.

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