28.07.2019 18:43 |

Ärger auf „Mahü“

„Vor meinem Geschäft gibt‘s jeden Tag Saufgelage“

„Jeden Tag findet vor meinem Geschäft ein exzessives Saufgelage statt“ - mit diesen Worten hat sich der verzweifelte Leiter eines Geschäfts auf der Wiener Mariahilfer Straße mit der Bitte um Hilfe an krone.at gewandt. Täglich würde sich demnach eine Gruppe vermutlich Obdachloser an ein und demselben Platz hemmungslos betrinken - und das zum Leidwesen zahlreicher Passanten. krone.at hat sich ein Bild von der Lage vor Ort gemacht und mit der verantwortlichen Bezirksvorstehung gesprochen.

„Es ist wirklich unangenehm“, erzählt Max S., Storemanager eines Bekleidungsgeschäftes: „Jeden Tag sitzen dieselben fünf bis zehn Leute von früh bis spät auf den Bänken vor meinem Store. Es wird viel Alkohol getrunken. Diese Gruppe wird dann zunehmend aggressiv, bettelt und pöbelt Passanten an. Meine Kunden kommen rein und fragen, was da los ist. Sie ekeln sich.“ Manche der vermutlich Obdachlosen würden sich gelegentlich halbnackt ausziehen und eine Nische neben dem Geschäft sogar als Toilette nutzen.

Bei einem Lokalaugenschein von krone.at sitzt tatsächlich eine Gruppe an besagter Stelle. Es ist Mittag, einige leere Bierdosen liegen bereits herum. Ein Listenhund läuft ohne Beißkorb die belebte Einkaufsstraße entlang - seine Leine schleift am Boden (siehe Video).

Schon 2016 wandte sich der Storemanager an die Bezirksvorstehung Mariahilf - es wurde zwar ein Durchgreifen versprochen, geändert habe sich allerdings nichts. „Ich habe auch schon ein paar Mal bei der Polizei angerufen. Gebracht hat es offensichtlich aber nichts“, so Max S.

„Obdachloser hat vors Geschäft gekackt“
Dominik L., ebenfalls Storemanager eines Geschäfts wenige Meter entfernt, versteht den Ärger seines Kollegen: „Vor meinem Geschäft hat die Stadt mittlerweile die Bänke entfernt. Seither sind diese Gruppen weiter nach unten gezogen. Früher war es vor meinem Store aber auch ganz schlimm. Einmal hat mir sogar mitten am Samstag ein Obdachloser vors Geschäft gekackt.“

„Keiner will solche Gruppen natürlich vor seiner Tür haben“, bringt auch Günther Rossmanith, Sprecher des Wiener Modehandels, Verständnis für den verärgerten Storemanager auf. „Ich rate Betroffenen, wenn die Situation unangenehm ist, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Die Wirtschaftskammer ist auch laufend mit der Stadt im Gespräch.“

„Werde Grätzelpolizisten hinschicken“
„Generell gibt es kein Problem mit Obdachlosen auf der Mariahilfer Straße“, heißt es auf Anfrage aus dem Büro der Bezirksvorstehung Mariahilf. „Wenn Geschäftsleute aber Probleme haben, sollen sie sich unbedingt bei uns melden. Jetzt, wo wir Bescheid wissen, können wir dort mal einen Grätzelpolizisten hinschicken.“ 

Und auch Markus Reiterer, Bezirksvorsteher in Neubau, betont: „Obdachlosigkeit ist einfach ein Großstadtproblem und damit natürlich ein laufendes Thema. Wir werden eine Fallkonferenz abhalten und die Sache besprechen. Ich bin froh, dass man solche Fälle bei uns meldet. Wir brauchen nämlich die Mithilfe der Menschen. Unser Ziel ist ja sowieso, dass niemand in Wien auf der Straße leben muss.“ 

Einer, der schon bei der Renovierung der „Mahü“ vor Liegeplätzen und Sitzbänken gewarnt hat, ist der damalige Bezirksrat Leo Kohlbauer. „Herr Rumelhart ist aktiv mit schuld an der Situation. Ich habe mich immer gegen Bänke und ähnliches auf der Mariahilferstraße eingesetzt, da die Folgen immer die Gleichen sind“, so der FPÖ-Politiker.

Nur einen Tag, nachdem das Kamerateam von krone.at vor Ort war, kam es zu einem Polizeieinsatz auf der Mariahilfer Straße: Ein Obdachloser wurde festgenommen. Er steht im Verdacht, in die Wohnungen zweier Frauen eingedrungen zu sein und diese vergewaltigt zu haben.

Charlotte Sequard-Base
Charlotte Sequard-Base
Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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