21.07.2019 17:06 |

Fall Orlandi

Tatort Vatikan: Ermittler finden Tausende Knochen

Der Vatikan hat einen neuen Anlauf genommen, das Rätsel um ein vor 36 Jahren verschwundenes Mädchens zu lösen. Emanuela Orlandi (15) war 1983 Spurlos verschwunden. Jetzt haben Ermittler Beinhäuser geöffnet, die erst vergangene Woche auf dem deutschen Friedhof im Vatikan entdeckt worden waren. Aus den Anlagen unter dem deutschen Priesterkolleg wurden am Samstag mehrere Knochen entnommen, wie der Heilige Stuhl mitteilte. Mit der Untersuchung der Gebeine wurde an Ort und Stelle begonnen.

Es ist eines der größten Rätsel in der jüngeren italienischen Kriminalgeschichte: Die 15-jährige Emanuela Orlandi war am 22. Juni 1983 nicht vom Musikunterricht heimgekehrt. Um den Fall ranken sich viele Verschwörungstheorien.

Vatikan im Visier von Verschwörungstheorien
Eine weit verbreitete Theorie geht davon aus, dass die Tochter eines Vatikan-Mitarbeiters von einer Bande entführt wurde, die den damaligen Chef der Vatikanbank, Paul Marcinkus, erpressen wollte. Unbewiesen ist auch die Theorie, wonach Emanuela entführt wurde, um die Freilassung von Mehmet Ali Agca zu erpressen, der 1981 einen Mordversuch auf Papst Johannes Paul II. verübt hatte.

Auf der Suche nach ihr hatte der Vatikan - wie berichtet - Mitte Juli zwei Gräber auf dem deutschen Pilgerfriedhof Campo Santo Teutonico öffnen lassen: Von Sophie von Hohenlohe (1836) und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg ( 1840). Aber überraschenderweise waren die Gräber komplett leer.

Falltür brachte weitere Gräber zum Vorschein
Stattdessen wurden auf dem Friedhof aber Beinhäuser, also Räume zur Aufbewahrung von Gebeinen, entdeckt. Durch eine Falltür ging es am Samstag nach unten. Dort bot sich den Experten erneut eine Überraschung: „Wir haben nicht erwartet, so viele Knochen zu finden. Heute wurden Tausende sichergestellt, vermutlich von Dutzenden Personen.“ Sie alle zu prüfen wird noch längere Zeit dauern.

Laut Vatikan sollten DNA-Proben aus allen Knochenensembles aus den Beinkellern entnommen werden. Die Untersuchungen wurden durch den Rechtsmediziner Giovanni Arcudi und seine Mitarbeiter vorgenommen, den der Vatikan mit der Aufgabe betraut hatte. Zudem war ein von der Familie Orlandi ausgewählter weiterer Genetiker vor Ort. Die Analyse der Knochen werde am Samstag kommender Woche fortgesetzt, hieß es aus dem Vatikan.

Vor einem Jahr erhielt die Anwältin der Familie einen mit einem Foto versehenen anonymen Hinweis, wonach die Überreste der Verschwundenen angeblich auf dem deutschen Pilgerfriedhof verscharrt seien. Daraufhin setzte sie eine Öffnung der beiden Gräber durch.

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