Eder emotional

Zum Abschied flossen bei Voest-Chef die Tränen

Er hatte den Prozess des Loslassens selbst noch als „überraschend undramatisch“ beschrieben, gestern war bei Wolfgang Eder dann alles anders. Am Schluss seiner Abschiedsrede als Voestalpine-Chef flossen beim 67-Jährigen die Tränen.

Für die Hauptversammlung gestern in Linz war alles nach Protokoll angerichtet: Vor dem Design Center parkten Reisebusse, die die Aktionäre des Technologiekonzerns aus Wien, Graz und Leoben herangekarrt hatten; im Eingangsbereich standen Sicherheitsschleusen; Schilder erinnerten an das Fotografier-Verbot...

Abschiedsrede dauerte 12 Minuten
Ganz so streng wurde das Verbot dann aber nicht gehandhabt, als Wolfgang Eder seinen Chefposten beim Voestalpine-Konzern an Nachfolger Herbert Eibensteiner übergab. Eder, der zuvor einen Gesamtüberblick übers abgelaufene Geschäftsjahr gegeben hatte, war für eine Abschiedsrede noch einmal ans Rednerpult gegangen. Schon als der 67-Jährige zu seiner 12-Minuten-Ansprache ansetzte, war für den Aufsichtsrat, die Aktionäre und Vorstandskollegen die Emotionen zu spüren, dass es für Eder keine Rede wie jede andere war.

„Wir haben’s überlebt“
Eder sprach über seine Gedanken, als er 2003 zum Vorstandschef bestellt wurde: „Ich habe mich gefragt, wie sehr frisst das Unternehmen seine Kinder, seine Verantwortlichen. Am Ende steht wohl ein Patt zwischen der Voestalpine und mir. Jedenfalls: Wir haben’s beide überlebt.“ Als er sich schließlich bei seiner Frau und seinen Kindern „für so viele Jahrzehnte Verständnis und Unterstützung“ bedankte, flossen die Tränen. Applaus brandete auf.

Mit Handshake und Umarmung
Aufsichtsratschef Joachim Leppenau lobte Eder, der weiter mit den Tränen kämpfte, für seine Loyalität: „Sie sind ein normaler, bescheidener Mensch geblieben.“ Mit einem Handshake und einer Umarmung übergab Eder, um dessen geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat es später Wirbel gab, an Eibensteiner: „Ich weiß unsere Voestalpine in besten Händen.“

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger

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