Mo, 15. Juli 2019
25.06.2019 07:00

50-Jahre-Jubiläum

Ian Anderson kommt mit Jethro Tull zu uns

Mehr als 50 Jahre sorgt Ian Anderson mit seinem „Baby“ Jethro Tull für Rockklänge abseits der Norm. Er hat nicht nur die Querflöte cool gemacht, sondern eine millionschwere Karriere darauf aufgebaut. Beim diesjährigen „Lovely Days“ in Eisenstadt ist Anderson wieder einmal bei uns zu sehen. Im Interview verriet er uns im Vorfeld, warum es bald neues Studiomaterial gibt, weshalb ihn die Steuerfrage so sehr tangiert und wieso seine älteste Österreich-Erinnerung eine schlechte ist.

50 Jahre im Zeichen der Querflöte. Auch nach dieser langen Zeitspanne steht Jethro-Tull-Mastermind Ian Anderson immer noch ziemlich alleine da, wenn es um nachhaltigen Erfolg mit besagtem Instrument geht. Auch wenn er unter dem Jubiläumsbanner tourt, sind es genaugenommen schon 52 Jahre, seit die Band einst im englischen Blackpool das Licht der Welt erblickte und mit Alben wie „Aqualung“, „Thick As A Brick“ und „A Passion Play“ vor allem in den 70er-Jahren einen Legendenstatus aufbauen konnte, von dem Anderson noch heute zehrt. Bevor er in wenigen Tagen beim „Lovely Days“ in Eisenstadt aufspielt, erinnert er sich im Gespräch mit der „Krone“ aber wenig erfreulich an seine erste Österreich-Erinnerung zurück. „Ich kann mich nicht mehr genau an die Umstände erinnern, aber ich wurde von einem ziemlich linksgerichteten Journalisten interviewt. Ich war damals überrascht, dass man ein Rockkonzert so schnell politisiert und das blieb mir bis heute in Erinnerung. Irgendwann bin ich aber gewohnt geworden, dass Musik und Politik im öffentlichen Raum koexistieren.“

Tick mit der Steuer
Den Ruf des Grummelonkels mit klaren Ansichten zu verschiedensten Themen hat Anderson schon länger. Über die Jahre hat er sich selbst zu einem Sprachrohr für das britische Volk erkoren und beantwortet bereitwillig Fragen zu fast allen Themen, die in der Öffentlichkeit ein Thema sind. Der drohende Brexit mit seinen direkten Auswirkungen ist für Anderson etwa keine Ursache für schlaflose Nächte. „Es weiß doch niemand, was wirklich passieren wird. Mir ist es wichtig, dass Sportler und Musiker, die meist das ganze Jahr im Ausland unterwegs sind, zuhause ihre Steuern zahlen. Mich hat es schon immer genervt, wenn vermögende Künstler ins Ausland ziehen, um sich das Geld zu sparen. Wo wären sie denn ohne ihre Heimat? Sie gründen Offshore-Firmen oder legen Konten auf abstrusen Inseln an. Ich habe meine Steuern immer zuhause bezahlt und sorge als europäischer Bürger für ein gerechtes Sozialsystem. Natürlich ist dann ungefähr die Hälfte meines Einkommens weg, aber wenn man so gut verdient wie ich, ist das ja trotzdem kein schlechter Deal.“

So professionell Anderson als Musiker auch ist, so schwierig ist es für andere, mit ihm Schritt zu halten. Die unzähligen Line-Up-Wechsel in den letzten 50 Jahren sind legendär, nur Gitarrist Martin Barre hielt über viele Jahrzehnte durch, kocht seit mehr als zehn Jahren nun aber auch seine eigene Suppe. Anderson, strikter Verfechter von Pünktlichkeit und Perfektionismus, fordert seine Musiker so stark heraus wie sich selbst, was für die meisten auf Dauer nicht so einfach zu handeln ist. „Ich bin generell stolz darauf, mit 71 noch auf der Bühne stehen zu können und eine Karriere zu haben. Wäre ich Tennisspieler oder Formel-1-Fahrer, wäre diese Karriere wahrscheinlich mit 35 vorbei, als Pilot mit 65 und als Astronaut mit ca. 50. Ich habe mit Menschen aus diesen Berufswelten gesprochen und sie alle haben mir gesagt, wie sehr es sie frustriert hat, als sie dazu gezwungen wurden, ihre Jobs aufgeben zu müssen. In der Kunstwelt gibt es kein natürliches Ablaufdatum. Solange die geistigen Fähigkeiten und die Stimme nicht nachlassen, sind wir nicht zu stoppen.“

Wenig Unterschiede
Auch wenn die Fans nach den großen Klassikern gieren, ist die Motivation von Anderson in seinen 70ern unaufhaltbar. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, die von einer Soloplatte und einem neuen Jethro-Tull-Werk handelten. Doch bestehen zwischen diesen beiden musikalischen Welten überhaupt so viele Unterschiede? „Ehrlich gesagt nicht so wirklich“, erklärt der Frontmann, „will ich Musik machen, die etwas persönlicher und introvertierter ist, dann steht meist mein Name drauf. Die Mitmusiker sind meist aber dieselben wie in der Band. Auf ,Aqualung‘ waren auch viele Songs, wo die damaligen Bandmitglieder gar nicht zu hören sind, dasselbe war 1975 bei ,Ministrel In The Gallery‘. Abseits des Arbeitsprozesses und leichter inhaltlicher Divergenzen gibt es aber tatsächlich keine allzu großen Unterschiede.“

Durch die vielen Liveshows und Touren, die Anderson auch noch im gesetzten Alter macht, verschieben sich natürlich die kreativen Momente, doch das nächste Album - ob nun solo oder nicht - sollte zumindest bis Herbst 2020 zu kaufen sein. „Es geht ja nicht nur um das Songwriting, sondern auch um die Manufaktur, das Marketing und die ganze Promotion dazu. Mein Schwiegersohn ist im Filmbusiness und wartet schon seit Ewigkeiten auf das Skript zu einem Sequel von ,The Walking Dead‘. In der Welt der Kunst müssen wir immer extrem weit vorausdenken und anders kalkulieren. Manchmal kommen spontan und unvermittelt Dinge auf einen zu, die man schon vor Jahren besprochen hat. Das Unstete muss man gewohnt werden, aber so läuft das Geschäft nun einmal.“

Spaß vor Geld
Eine frische Karriere im Musikbusiness würde der Brite nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr wagen. „Die Voraussetzungen sind so anders wie 1969. Die Chance, heute irgendwie von der Musik leben zu können, würde ich mit maximal 1 zu 5000 beziffern - damals ging das noch zehnmal einfacher. Es gibt nur mehr selten etwas Originäres und Spannendes, weil sich Musik zusehends wiederholt. An der Tankstelle oder Supermarktkasse kommt garantiert regelmäßigeres Geld herein, doch ich weiß natürlich, dass sich niemand aufhalten lässt, der eine echte Leidenschaft dafür hat. Meine Eltern rieten mir auch von allem ab, was mich sogar wütend und trotzig machte. Es hat mir aber auch geholfen, mich zu pushen und sie vom Gegenteil zu überzeugen. Mein prinzipieller Tipp: Lasst die Kids tun, was ihnen gefällt und versucht nicht, ihr Manager zu werden. Das ging in der Musikgeschichte oft in die Binsen - denkt an Michael Jackson! Ihm hat man all den Spaß genommen, weil es nur mehr ums Geld ging. Das war bei mir nie der Fall.“

Am 29. Juni spielen Jethro Tull by Ian Anderson in Eisenstadt beim „Lovely Days“. Karten für das große Highlight, bei dem u.a. auch Toto und Nazareth mit an Bord sind, gibt es unter www.ticketkrone.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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