17.06.2019 14:25 |

Nach Welle der Kritik

„Gesegneter“ Kurz erklärt irritierenden Auftritt

ÖVP-Chef Sebastian Kurz erntet aktuell viel Kritik für seine Teilnahme am evangelikalen Großevent „Awakening Europe“ (Erweckung Europas). Kurz hatte am Sonntag auf seiner Wahlkampftour in der Wiener Stadthalle Station gemacht und dabei ein „Segensgebet“ des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen. Kritiker sehen darin einen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke. Der Ex-Kanzler selbst verteidigt den Auftritt, er selbst habe „nichts Verwerfliches gesagt“. Vom „Segensgebet“ sei allerdings auch er überrascht gewesen, gesteht Kurz.

„Wer das Video sieht, sieht mir vielleicht an, dass ich etwas überrascht und starr reagiert habe für meine Verhältnisse“, sagte Kurz am Montag. Er sei immer wieder bei Religionsgemeinschaften zu Gast gewesen - bei Juden, Christen, beim islamischen Fastenbrechen - und habe am Sonntag gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn an einer ökumenischen Veranstaltung in der Stadthalle teilgenommen. Den australischen Pastor habe er vorher nicht gekannt.

Evangelischer Bischof: Unterscheidung Politik - Religion wichtig
Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker distanzierte sich von der Veranstaltung. Die evangelischen Kirchen in Österreich seien nicht an dem Event beteiligt gewesen, betonte er in einer Aussendung. Es sei „selbstverständlich, dass wir für alle politischen Amtsträgerinnen und Amtsträger beten. Die Bibel beauftragt uns, sie ins Gebet zu nehmen.“ Dabei sei jedoch die Unterscheidung von Religion und Politik wichtig. „Es muss der Eindruck vermieden werden, dass dadurch einseitig Stellung genommen wird“, warnte Bünker. Religion dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden.

Caritas-Präsident: „Von Stadthalle steht im Evangelium nichts“
„Die Kirchen sollten sich hüten, sich vor den parteipolitischen Karren spannen zu lassen, egal welcher Partei“, schrieb Maria Katharina Moser, die Direktorin der evangelischen Diakonie, auf Twitter. Ihr Kollege von der katholischen Caritas, Michael Landau, verwies angesichts der Inszenierung auf offener Bühne schlicht auf das Gebot des Matthäus-Evangeliums, im Privaten zu beten („Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu“): „Von Stadthalle steht da nichts.“

Pilz sieht Gefahr der Unterstützung „dieser Sekten“
Schärfere Worte fand JETZT-Abgeordneter Peter Pilz: „Es ist peinlich, wenn sich ein Altkanzler an fundamentalistische religiöse Sekten anbiedert und für sich beten lässt. Gefährlich wird es, wenn er den Religionskampf dieser Sekten unterstützt“, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Pilz forderte von Kurz eine klare Distanzierung von den Zielen von „Awakening Europe“.

Hafenecker: „Auftritt mit dubiosem australischem Guru“
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sprach von der Überschreitung einer „klaren Grenze“ während des Auftritts mit dem „dubiosen australischen Guru“. Hafenecker erinnerte gleichzeitig daran, dass in Österreich die Trennung von Staat und Kirche gelebt werde. Ein Spitzenpolitiker sollte sich daher für eine solche Aktion nicht hergeben.

Spott von Ex-Innenminister Kickl
Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, Kurz mit Spott zu übergießen. „Man fragt sich, wie Sebastian Kurz in die seltsame Gebetsveranstaltung eines australischen Gurus gerät, der behauptet, Jesus Christus sei ihm beim Drogendealen erschienen“, schrieb Kickl auf seiner Facebook-Seite. Er fühle sich auch an den Genesis-Song „Jesus He Knows Me“ erinnert.

Katholische Kirche versteht Kritik nicht
Ähnlich wie Kurz sah auch die katholische Kirche keine parteipolitische Vereinnahmung. Das Gebet habe weder Kurz‘ Partei gegolten noch habe man für seinen Erfolg gebetet. Es habe sich außerdem um eine ökumenische Veranstaltung gehandelt, die katholische Kirche sei daran nicht offiziell beteiligt gewesen, wies Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Kritik an der katholischen Kirche zurück. Es hätten lediglich Vertreter daran teilgenommen, unter ihnen eben auch Kardinal Christoph Schönborn.

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