13.06.2019 17:24 |

Auftakt mit Slipknot

Nova Rock: Slipknot dominieren ersten Tag

Bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen haben sich die Tore zum 15. Nova Rock in Nickelsdorf Donnerstagmittag geöffnet: Das Rockfestival, zu dem bis inklusive Sonntag insgesamt mehr als 200.000 Besucher erwartet werden, zeigte sich schon anfangs von seiner besten Seite.

Weitgehend reibungslos ist nach Angaben der Polizei bisher die Anreise der Fans zum Festival verlaufen. Es herrsche zwar ein steter Zustrom, aber „nichts Außergewöhnliches“, teilte ein Polizeisprecher auf APA-Anfrage mit. Nach Einschätzung der Polizei waren am frühen Nachmittag noch vor dem offiziellen Start des Festivals schon etwa 80 Prozent der für heute erwarteten Festivalbesucher in Nickelsdorf eingetroffen. Die Anreise sei weiter im Gange, es gebe aber keine verkehrsbedingten Behinderungen.

Ein Unfall
Schon am Mittwoch hatten sich viele Menschen auf den Weg zum Festivalgelände gemacht. Dabei hatte sich auf der B10 gegen 18.30 Uhr bei Nickelsdorf ein Verkehrsunfall ereignet. Ein deutscher Pkw-Lenker, der sich offenbar verfahren hatte und zurück in Richtung Nova-Rock-Gelände wollte, habe auf einem Feldweg umgedreht, hieß es von der Landespolizeidirektion Burgenland. Als er mit seinem Wagen wieder auf die Bundesstraße auffuhr, übersah er ein Zivilstreifenfahrzeug. Beim darauf folgenden seitlichen Zusammenstoß wurden zwei Beamte leicht verletzt.

„Generell mag ich das Nova Rock, wir sind ja bereits zum vierten Mal dabei, glaube ich. Das Publikum hier war immer toll“, betont Sabaton-Sänger Joakim Brodén im Interview mit der APA. „Vielleicht wären ein paar Klimaanlagen eine gute Sache, aber sonst...“ Dass einige Fans seit dem Einlass in der ersten Reihe stehen und ihren Platz standhaft „verteidigen“, findet der Schwede „amazing“. „Ich könnte das nicht aushalten. Das Festival hätte noch gar nicht richtig begonnen - und ich wäre bereits tot! Ich würde mich anders anziehen ... oder gar nichts anziehen. Aber als Musiker geht das nicht, einige Interviews werden ja gefilmt.“

Gute Mischung
Sabaton veröffentlichen demnächst ihr neues Album „The Great War“, ein Konzeptalbum über den Ersten Weltkrieg. Die erste Single-Auskopplung „Fields Of Verdun“ will die Powermetal-Gruppe dem Nova-Publikum vorstellen. „Es ist schön, ein paar neue Songs in die Rotation zu bringen. Zugleich sind dann Fans angefressen, wenn wir gerade ihren Lieblingsong deswegen nicht mehr bringen. Was soll man da tun?“, fragte Broden.

Auch Jason „Cone“ McCaslin und Dave Baksh, mit ihrer Band Sum 41 am Donnerstag Headliner auf der zweiten großen Bühne, der Red Stage, schwitzen ordentlich. „Ich könnte diese Temperaturen vier Tage lang auf einem Festival nicht aushalten. Ich habe höchsten Respekt vor diesen Leuten“, sagte „Cone“ über die Rockfans.

Karriereleiter hochgestiegen
Am Nova Rock vertreten zu sein, sei für die alten Haudegen immer noch eine spannende Sache: „Wir freuen uns, auch für Fans von Bands wie Slipknot zu spielen. So ein Publikum, das auf wirklich harte Musik steht, erreichen wir sonst nicht. Es wäre fein, wenn wir sie auch für uns gewinnen können“, sagte Gitarrist Baksh. Sein Bass spielender Kollege ergänzte: „Es ist verrückt, denn vor 20 Jahren hätten wir nie gedacht, dass andere Bands uns ansprechen und uns sagen, dass sie unsere Musik hören und mögen. Vor 20 Jahren haben wir das noch gemacht!“ Sum 41 wollen am Nova Rock mit einem Hitset punkten, aber auch die neue Single „Out For Blood“ vom kommenden Album „Order In Decline“ präsentieren.

Dankbar waren die Nova-Fans am ersten Festivaltag jedenfalls für jedes kleine Schattenplätzchen, das sich am weitläufigen Gelände auftat. Da wurden Getränkestände, Lichttürme oder Zeltplanen zu rettenden Oasen, während von den Bühnen das Animationsprogramm munter weiterging. Nach dem Rap-Doppel aus Waving The Guns und Luciano sorgten etwa auf der Red Stage die heimischen Folkshilfe mit Ziehharmonika, Gitarre und Schlagzeug für ein ungewohntes Klangbild am Rockfestival - dem harten Kern im Wavebreaker gefiel es trotzdem, weshalb die Menge nicht nur beim „Huscha“ eifrig einstimmte und für viel Bewegung sorgte.

Nicht explodieren
Die Blue Stage ist hingegen weiter fest in der Hand harter Musik, wie I Prevail und Three Days Grace untermauerten - reichlich gebrüllte „Nova Rock“-Rufe inklusive. Und welchen Tipp hat der Rock-Neuling Ferris MC noch für die Festivalbesucher angesichts der Hitze? „Hm, darüber habe ich nicht nachgedacht“, meinte der in Hamburg wohnende Musiker. „Wenn man so ein Wikinger-Typ ist wie ich und die Sonne so brutal runter kommt wie hier, muss man echt aufpassen, dass man nicht explodiert.“

Aber die ganz große Show gab es naturgemäß bei den Headlinern: Slipknot haben immerhin ein neues Album im Köcher, das die Anhängerschaft Anfang August erwartet. Aber es muss nicht nur „We Are Not Your Kind“ sein, wie die Platte betitelt ist, es reichen auch die Glanztaten vergangener Tage: Schon als Einstieg gab es bei „People=Shit“ kein Halten, ging es mit „Get This“ zurück zu den immer noch wütenden Anfängen und durften bei „Before I Forget“ alle Fans ihre Stimmbänder strapazieren. Nicht ganz gelungen erschien allerdings das neue Bühnen-Erscheinungsbild von Sänger Corey Taylor.

Natürlicher Druck
Einziger Wermutstropfen bei der durchwegs energetischen Darbietung waren die Soundprobleme bei „Unsainted“, der Single zum neuen Album. Wer aber nur kurz später den bitterbösen „Heretic Anthem“ aus dem Köcher ziehen kann, wird sogar das verschmerzen. „Du bist immer nervös“, bekannte Gitarrist Jim Root im APA-Interview vor dem Auftritt. „Neues Album, neue Bühne, neue Masken - mit dieser Band ist es nie leicht. Du musst einfach sicher gehen, dass alles funktioniert.“

Das tat es in diesem Fall fast auf ganzer Linie. 20 Jahre ist das Debüt her, und immer ist diese Band noch eine mehr als sichere Bank, wenn es um gute Unterhaltung und musikalischen Anspruch geht. „Den Druck gibt es immer“, meinte Root bezüglich neuem Material. „Wir haben ein gewisses Level, das wir erreichen müssen. Und gleichzeitig geben wir uns nicht damit zufrieden, wir wollen uns nicht wiederholen. Es muss immer neue Ziele geben.“ Man darf sich also freuen auf das, was diesen Sommer noch aus dem Hause Slipknot zu erwarten ist.

Show wie früher
Aber es geht ja auch mit Nostalgie: Die kanadische Punkband Sum 41 entführte das Publikum auf der Red Stage in die Vergangenheit und sorgte mit Stücken wie „In Too Deep“ für einen kurzen Flashback. Wer mit diesem Material immer noch punktet, hat aber nicht nur die Zeit auf seiner Seite, sondern auch das musikalische Können. Und das musste man der Gruppe um Deryck Whibley wirklich lassen: Hier wurde viel Energie investiert, um nicht nur eine Show abzuliefern, sondern tatsächlich kleine Höhepunkte zu setzen.

Womit ein langer Tag sein passendes Ende fand: Die US-Rocker von Godsmack überzeugten ihre Fans mit einem langen Schlagzeug-Doppel, bei dem einige Klassiker angerissen wurden, während die russische Avantgarde-Band Pussy Riot elektronische Sounds mit politischen Botschaften kreuzte. Allerdings war der Auftritt zu leise und monoton, weshalb die Texte - wohl ein wichtiger Bestandteil dieser Gruppe - kaum zu verstehen waren. Eine kleiner Anhängerschaft machte sich aus diesen Nachteilen allerdings nichts und feierte die feministische Band intensiv ab.

Krieg am Ende
Eher den Publikumsgeschmack trafen Three Days Grace, die sich nicht nur mit eigenem Material einstellten, sondern allen voran dank Songs wie „Seven Nation Army“ von den White Stripes die Massen zu begeistern wussten. Gassenhauer funktionieren eben immer, nicht zuletzt wenn man ein Bon-Jovi-Intro im Gepäck hat. Aber so ist eben das Festivalleben: Die bunte Mischung macht es aus. In der Kühle der Nacht erwachten schließlich auch noch die von der Hitze geplagten Schweden von Sabaton und lieferten eine bombastische Show als Abschluss.

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