Sa, 25. Mai 2019
17.04.2019 13:14

„Noch schöner machen“

Notre Dame: Spendenflut erreicht Milliarden-Marke

Der Schock nach der Feuersbrunst in Notre Dame weicht langsam dem Tatendrang. Immer mehr Zusagen zur Hilfe beim Wiederaufbau erreichen die Franzosen, zahlreiche Länder haben ihre Unterstützung - etwa in technischer und logistischer Hinsicht - zugesagt. Und die privaten Unternehmen zeigen sich großzügig: Schon beinahe eine Milliarde Euro wurde von französischen und internationalen Großkonzernen in Aussicht gestellt. Geld, das auch dringend benötigt wird, immerhin hat Präsident Emmanuel Macron versprochen, die Kathedrale innerhalb von nur fünf Jahren wiederaufzubauen - und sie „noch schöner zu machen“ als zuvor.

Eineinhalb Tage nach der Brandkatastrophe (im Video oben sehen Sie aktuelle Aufnahmen aus dem Inneren) sind bereits rund 880 Millionen Euro beisammen, teilte der für das Kulturerbe zuständige Regierungsbeauftragte Stephane Bern am Mittwoch mit. Die Spenden kämen „von nah und fern, von Reich und Arm“, so die Nachrichtenagentur AP. Als Erstes ließen französische Luxus-Multis wie L‘Oreal, Chanel oder Dior teils dreistellige Millionenbeträge springen, inzwischen sind auch internationale Konzerne wie Apple aufgesprungen. Die Regierung hat mittlerweile ein eigenes Büro eingerichtet, das die Großspenden verwalten soll.

Macron: Notre Dame wird „noch schöner sein als vorher“
Präsident Macron hatte am Dienstagabend ordentlich Druck gemacht, als er in Aussicht stellte, den Kulturschatz innerhalb von nur fünf Jahren komplett restauriert sehen zu wollen. „Wir werden handeln, und wir werden Erfolg haben“, sagte er in einer kurzen TV-Ansprache. Danach solle das Wahrzeichen „noch schöner sein als vorher“. Das wurde einerseits als Ermutigung seiner Landsleute aufgefasst, von denen viele nach dem Inferno traurig und geschockt sind. Doch auch kritische Stimmen wurden laut, die forderten, das Geld doch lieber anderweitig einzusetzen und etwa kleinere Kirchen im Land oder die arbeitende Bevölkerung zu unterstützen.

Logistische Mega-Aufgabe durch Olympia 2024
Auch den Zeitplan erachten viele Experten als unrealistisch. Die von Macron geplante Wiedereröffnung im Jahr 2024 würde außerdem mit den Olympischen Sommerspielen in der französischen Hauptstadt zusammenfallen - ebenfalls eine logistische Mega-Aufgabe, die bereits ihre Schatten vorauswirft. Auch konkrete Angaben, wie die hochsensiblen Arbeiten konkret vonstattengehen sollen, blieb Macron schuldig.

Wiederaufbau: Originalgetreu oder mit moderner Technik?
Ein naheliegender Zugang ist aktuell, den komplett zerstörten hölzernen Dachstuhl, in dem das Inferno seinen Ausgang genommen hatte, durch eine Metallkonstruktion zu ersetzen. Experten verwiesen auf ähnliche Maßnahmen bei anderen zerstörten Kirchengebäuden. Andere Stimmen bringen dagegen einen originalgetreuen Wiederaufbau der Kathedrale ins Gespräch, etwa der Londoner Architekt Francis Maude, der nach dem Brand im Schloss von Windsor in den 90er-Jahren an der Restaurierung beteiligt war. Als bekanntes Gegenbeispiel nannte Maude die im Ersten Weltkrieg beschädigte Kathedrale von Reims, die seitdem ein feuerbeständiges Stahldach hat.

Steffl als Vorbild für Notre Dame?
Ähnlich sieht das der deutsche Kunsthistoriker Stephan Albrecht, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Architektur von Notre Dame gehört. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Dachstuhl aus Holz nachgebaut werde. Die Baupläne aus dem 13. Jahrhundert seien nicht mehr verfügbar, es gebe nur „vage Zeichnungen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Albrecht verwies auch auf den Stephansdom in Wien: Dessen hölzerner Dachstuhl war 1945 völlig abgebrannt und wurde durch eine Konstruktion aus Stahl ersetzt.

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