16.04.2019 12:53 |

Bereits 1831 baufällig

„Glöckner“-Autor mahnte: „Sie könnte verschwinden“

Die im Herzen von Paris gelegene Kathedrale Notre Dame ist eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt - und mit 13 Millionen Besuchern ein Magnet für Touristinnen und Touristen. Doch bereits vor dem verheerenden Brand am Montag zeigte sich der bis ins Jahr 1163 zurückreichende Bau renovierungsbedürftig. Im Erfolgs-Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ des Autors Victor Hugo aus dem Jahr 1831 findet sich eine Art Alarmruf zum Zustand der Kirche: An mehreren Stellen betont der Autor das dringende Renovierungsbedürfnis der Kirche: „Die Kirche wird vielleicht bald selbst vom Erdboden verschwinden“, schrieb Hugo in der Einleitung des Buches - ein paar Jahre später wurden dann tatsächlich umfangreiche Arbeiten begonnen. 

Knapp 200 Jahre hatte es bis zur Fertigstellung der beeindruckenden Kathedrale gedauert. Danach wurde die der Jungfrau Maria geweihte Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen jedoch bald zum Sinnbild von Paris, weit vor der Existenz des Eiffelturms. Und mit ihren Maßen von 128 Metern Länge, 40 Metern Breite und 33 Metern Höhe ist das Gebäude prägend für das Stadtbild. Hinzu kommen die beiden mächtigen, 69 Meter hohen Türme.

Weltberühmt durch den Glöckner
Dabei wurde Notre Dame auch schon in früheren Jahren von Schreckensereignissen heimgesucht. 1793 plünderten Frankreichs Revolutionäre den Bau, der dann im 19. Jahrhundert unter Eugene Viollet-le-Duc generalsaniert und spätestens mit dem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“, sowie dem gleichnamigen Disneyfilm auch über die Grenzen Frankreichs hinaus zur Legende wurde. 1979 wurde Notre Dame zum Weltkulturerbe der UNESCO erhoben.

„Renovierung hat Misere des Rests versteckt“
Zugleich sah sich der Bau wie viele gotische Kirchen schon lange Zeit mit einer bröckelnden Substanz konfrontiert - blieb doch die Sanierung des 19. Jahrhunderts die bis dato letzte umfassende. Immerhin wurde in den 1990ern die Front gereinigt, dahinter blieben die Probleme allerdings versteckt. 
Die Steine der Strebebögen angefressen von der Witterung, Balustraden, die durch Holz notdürftig ersetzt werden mussten, eindringendes Wasser in den Dachstuhl. Michel Picaud. Präsident der Stiftung Friends of Notre Dame de Paris, sagte in einem Interview Anfang des Jahres, dass das Ausmaß der Schäden sei erst in jüngerer Zeit bewusst geworden: „Die Renovierung der Fassade hat ein bisschen die Misere des Rests der Kathedrale versteckt.“ 

150 Millionen Euro sollten in den kommenden Jahren in die Restaurierung fließen, wobei der Staat als Besitzer der Kathedrale ein Drittel beisteuern sollte. Er hatte seinen jährlichen Beitrag von zwei auf vier Millionen Euro erhöht - unter der Bedingung, dass Privatmittel dazukommen.

„Es ist Zeit, etwas zu tun“
Erst Anfang vergangenen Jahres veröffentlichte man deshalb eine Spendenkampagne, mit deren Hilfe 100 Millionen Euro über private Wohltäter aufgetrieben werden sollten. „Es ist wirklich Zeit, etwas zu tun“, hatte Picaud erklärt.

„Glöckner von Notre Dame“ auf Bestsellerliste
Übrigens: Das Feuer in der Pariser Kathedrale hat den Klassiker der französischen Literatur wieder in die Bestsellerlisten katapultiert. Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ stand am Dienstag an der Spitze der Verkaufscharts von Amazon. Während die Löscharbeiten in Paris noch liefern, wurde die französische Originalfassung des Werks zum meistverkauften Buch in Frankreich. Auch die Disney-Verfilmung des Stoffs konnte vom weltweiten Interesse an der Pariser Sehenswürdigkeit profitieren: Sie schaffte es unter die Top Ten in den Verkaufscharts der beliebtesten Familienfilme.

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