31.03.2019 16:29 |

Groß angelegte Studie

Jeder dritte Afrikaner denkt ans Auswandern

Wirtschaftliche Not, Arbeitslosigkeit, keine Perspektiven - aus diesen und anderen Gründen wollen Millionen Afrikaner ihren Heimatländern den Rücken kehren. Viele wollen nach Europa - doch es ist nicht die Zieldestination Nummer eins. Auch ist es nicht etwa die zumeist arme Landbevölkerung, die es in die Ferne zieht. Vielmehr sind es die oft gut ausgebildeten jungen Stadtbewohner, die sich im Ausland ein besseres Leben erhoffen. Die Männer sind dabei auswanderungswilliger als die Frauen.

Laut einer groß angelegten Befragung erwägen durchschnittlich fast vier von zehn Einwohnern (37 Prozent) afrikanischer Staaten eine Emigration. 18 Prozent gaben an, sie hätten „sehr viel“ darüber nachgedacht. Das Forschungsnetzwerk Afrobarometer, das staatenübergreifend arbeitet, hat dazu in den vergangenen zwei Jahren fast 46.000 Afrikaner in 34 Ländern befragt. Der Wunsch auszuwandern ist bei Männern mit 40 Prozent höher ausgeprägt als bei Frauen (33 Prozent).

Junge, gut ausgebildete Stadtbewohner
Besonders junge Menschen überlegen, ihren Heimatländern den Rücken zu kehren. Unter den 18- bis 25-Jährigen ist fast jeder Zweite durchaus gewillt, ins Ausland zu gehen. Die potenziellen Migranten sind übrigens nicht die Ärmsten, sondern eher die besser Ausgebildeten und eher Stadtbewohner als die Landbevölkerung, zeigt die Umfrage. Als Hauptgrund nennen sie die Suche nach Arbeit (44 Prozent) sowie die Hoffnung, der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu entkommen (29 Prozent).

Auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit in zahlreichen afrikanischen Ländern ist Thema. Die Jugendarbeitslosigkeit in Nordafrika liegt laut offiziellen Angaben bei mehr als einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Viele blicken daher sehnsuchtsvoll übers Mittelmeer und wagen oftmals mit Schleppern die Reise. In Marokko denken 13 Prozent „sehr viel“ und 23 Prozent „etwas“ an Migration, berichtet die „FAZ“.

Europa ist nicht das bevorzugte Ziel
Europa ist dabei nicht die bevorzugte Zieldestination, vielmehr zieht es die Afrikaner in die jeweiligen Nachbarländer, wo man sich eine bessere Wirtschaftslage erhofft. Oftmals zieht es die Menschen auch in Länder, wo sie Verwandte haben. Unter den Reisewilligen ist „ein anderes Land in der Region“ das am häufigsten angegebene Ziel (29 Prozent), dicht gefolgt von Europa (27 Prozent) und Nordamerika (22 Prozent).

Herkunftsländern droht „Braindrain“
Diese Entwicklung stellt nicht nur die Aufnahmeländer vor Probleme: Die Herkunftsländer der Migranten drohen einen sogenannten Braindrain zu erleiden, also das Abwandern der besser ausgebildeten Jugend, die langfristig das wirtschaftliche Wachstum eines Landes sichern könnte.

Michaela Braune
Michaela Braune
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 05. Juni 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.