08.03.2010 12:34 |

Zum Frauentag

Heinisch-Hosek sucht das Gespräch mit den Männern

Rund zwei Drittel der unbezahlten Arbeiten, etwa Haushalt oder Kinderbetreuung, werden immer noch von Frauen erledigt. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ist deshalb am Montag anlässlich des Frauentags ausgerückt, um die Meinung von Männern dazu zu erfahren. Ausgesucht hat sie sich dafür die OMV in Wien - als Macho wollte sich dort allerdings keiner äußern.

Heinisch-Hosek wollte den Frauentag 2010 laut eigenen Angaben erstmals dazu nutzen, um mit Männern über deren Selbstverständnis als Partner "in Dialog zu treten". Sie wolle wissen, was die Männer bewege und wie sie die unbezahlte Arbeit zu Hause handhaben. "Bügelt jemand von Ihnen?", fragte die Frauenministerin etwa in die Runde. "Gehen sie zum Elternsprechtag?"

"Den Schuhputz mach ich gerne selber"
Redselig waren die anwesenden Männer nicht gerade, auf Heinisch-Hoseks Aufforderung "Outen Sie sich bitte!" folgten dann aber doch, wenn auch zögerlich, einige Antworten. "Den Schuhputz mach ich gerne selber", erklärte etwa ein Beschäftigter. Auch bügeln tue er "ganz gern". Ein Vater von vier Kindern betonte, zu Hause wäre die Arbeit geteilt, er richte beispielsweise die Jausenboxen in der Früh - die Arbeit der Frauen zu Hause solle aber unbedingt mehr honoriert werden. Heinisch-Hosek hielt dagegen, dass sie nicht einsehe, warum immer das Daheimbleiben belohnt werden solle, würden es doch nicht alle Frauen als Erfüllung sehen, zu Hause zu bleiben. Für beide Partner müsse ein "sowohl als auch" möglich sein.

Insgesamt sei sie "sehr zufrieden" mit der Diskussion, sagte Heinisch-Hosek im Anschluss. Es habe sich gezeigt, dass man Derartiges wiederholen müsse und dass die Kommunikation mit den Männern noch "sehr stockend" verlaufe. Veränderungen könne man aber nur gemeinsam erreichen, zeigte sich die Frauenministerin überzeugt.

Gleichberechtigung für alle gefordert
Am Internationalen Frauentag wird auf das Menschenrecht der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen aufmerksam gemacht. Schon im Vorfeld haben die österreichischen Parteien und zahlreiche Organisationen ihre Forderungen und Kritikpunkte geäußert. Ein großes Thema waren die Einkommensunterschiede von über 25 Prozent zwischen Männern und Frauen.

Mehrheit sieht Ungleichbehandlung
Nach Ansicht der Österreicher ist die Ungleichbehandlung von Frauen weit verbreitet. In einer jüngsten Eurobarometer-Umfrage liegt Österreich bei dieser Frage mit 69 Prozent an dritter Stelle hinter Frankreich (77) und Spanien (71). Der EU-Durchschnitt beträgt 62 Prozent. Schlusslicht ist Bulgarien, wo nur 28 Prozent der dort Befragten der Meinung sind, dass die Ungleichbehandlung von Frauen in ihrem Land augenscheinlich ist.

Nachfolgend die Zahlen: Frankreich (77), Spanien (71), Österreich, Schweden und Italien (je 69), Ungarn (67), Deutschland (65), Portugal (62), Belgien und Luxemburg (je 61), Großbritannien (60), Finnland und die Slowakei (je 59), Dänemark (57), Griechenland und die Niederlande (je 54), Rumänien (53), Zypern und Tschechien (je 52), Malta und Slowenien (je 48), Litauen (45), Irland und Polen (je 43), Estland (42), Lettland (35) und Bulgarien (28).

Keine optimistischen Aussichten
Was die Zukunft betrifft, zeigen sich die Österreicher auch nicht gerade optimistisch, dass es zu einer Verbesserung der Situation bei der Gleichstellung von Frau und Mann in den nächsten zehn Jahren kommt. 51 Prozent glauben, dass sich die Situation verbessern wird, 45 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Damit liegt Österreich an fünftletzter Stelle in der EU. Schlusslicht ist Ungarn, wo nur 42 Prozent an eine Verbesserung für die Frauen glauben, 49 Prozent an eine Verschlechterung. Am optimistischsten äußern sich die Niederländer, wo 80 Prozent der Ansicht sind, dass es weniger Ungleichbehandlung geben wird, nur 16 Prozent nehmen das Gegenteil an.

Diesselben Forderungen wie 1908
Die Einrichtung des Frauentages geht laut den Vereinten Nationen auf einen Streik von Textilarbeiterinnen 1908 in den USA zurück, bei dem Frauen in New York gegen die schlechten Arbeitsbedingungen protestiert haben. Die Grundforderungen sind seit den Anfängen erhalten geblieben: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, soziale Sicherung von Frauen, politische Gleichberechtigung und Frieden.

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