Madrid macht es vor:

Frischluftkur für die spanische Smog-Hauptstadt

Die EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe hängen wie ein Damoklesschwert über Städten. Werden sie überschritten, drohen teure Strafen. Die spanische Smog-Metropole Madrid wird nun sauber, indem sie alte Motoren verbannt und Anreize setzt, das Auto stehen zu lassen. Landesrat Rudi Anschober sah sich das vor Ort an.

Jeden Sommer hing eine Smogglocke über Madrid. Die Luftverschmutzung soll nun bis 2030 halbiert werden. Darum haben die Madrilenen über alle Parteigrenzen hinweg 30 Maßnahmen beschlossen. „Wir gehen damit auch gegen den Klimawandel vor“, sagt Umweltstadträtin Inés Sabanés. Die radikalste Maßnahme rührt an den Gewohnheiten der Autofahrer. Die Innenstadt wurde nun zur „Umweltzone“ erklärt, was heißt: Alte Benziner oder Diesel dürfen nicht mehr fahren, Autos von Anwohnern brauchen eine Umweltplakette, parken muss man vor allem in (teuren) Parkgaragen.

Straßenrückbau zugunsten Spaziergänger
Dafür werden Durchzugsstraßen „rückgebaut“ und für Radfahrer und Fußgänger attraktiv: „Die Geschäftsleute kritisierten das zuerst, doch jetzt machen sie mehr Geschäft“, weiß Rainer Sattlberger (Foto links unten). Der Linzer lebt seit 10 Jahren in Madrid und leitet für den Pettenbacher Solaranlagenbauer Fronius die spanische Niederlassung.

Kaum „dicke Luft“ in Linz
„Eine Umweltzone ist in Linz derzeit nicht notwendig“, sagt Klima-Landesrat Rudi Anschober beim Besuch in Madrid. „Dicke Luft“ ist in ganz Oberösterreich längst Geschichte. Sorgenkind bleibt der Linzer Römerberg: „Darum wollen wir alte Taxis wegbringen“, sagt Expertin Regina Pürmayr - siehe Interview.

Tausende E-Bikes
Madrid bietet in der „Umweltzone“ tausende E-Bikes, Scooter und E-Autos, die man mieten kann. Private E-Autos werden beim Parkraum bevorzugt. Und: „Man kann gratis am Rand der Millionenmetropole parken, wenn man ein Öffi-Ticket hat“, ist Anschober begeistert. Stadt Linz und Land erarbeiten noch bis April „ambitionierte Maßnahmen, um bei uns die Stickstoffdioxid-Konzentration nachhaltig zu senken.“ Das Gemeinsame geht bei dieser Aufgabe vor, politisch hält man die „dicke Luft“ zurück.

Regina Pürmayr (53, Land Oberösterreich) überwacht die Luftmessstellen. Sie ist von den „spanischen Ideen“ für den Verkehr begeistert.

„Krone“: Bei uns ist doch immer jemand dagegen, wenn es um mutige Verkehrskonzepte geht…
Regina Pürmayr: In Madrid gibt es nur mehr eine einzige Organisationseinheit, die für Mobilität, Luft und Klima zuständig ist. Sie ist von Stadt, Land und Ministerium beauftragt. Alles liegt in einer Hand, damit fallen Abstimmungen leichter.

„Krone“: Was beeindruckt Sie persönlich in dieser Stadt?
Regina Pürmayr: Die Aufbruchsstimmung, die sich durch alle politischen Parteien zieht. Sogar konservative Gruppierungen gehen bei der „Umweltzone“ mit, was man kaum erwarten würde. Sie alle haben ein Ziel: Madrid zu einem lebenswerten Ganzen zu machen!

„Krone“: Sind die Messstellen für die Luftqualität denn an der richtigen Stelle?
Regina Pürmayr: Ja, immer. Egal ob in Madrid oder in Oberösterreich: Es gibt dafür genaue EU-Richtlinien, die überall genau eingehalten werden müssen.

„Krone“: Sie sind für Umweltschutz zuständig. Wie fahren Sie eigentlich zur Arbeit?
Regina Pürmayr: Ich wohne in Buchkirchen. Ich fahre mit dem Auto zum Bahnhof in Marchtrenk, steige dort in den Zug, fahre nach Linz. Vom Hauptbahnhof rolle ich mit dem Scooter ins Büro. Insgesamt taugt mir das, es entspannt mich!

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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