20.03.2019 15:40 |

„Krone“-Interview

Grabner: „Ich muss für die WM leider absagen“

Mit seiner im vergangenen Dezember nach einem Stockschlag erlittenen Augenverletzung war Eishockey-Crack Michael Grabner ein großes Gesprächsthema in der NHL. In den folgenden Wochen bangte der Stürmer der Arizona Coyotes um seine Karriere, nach fast dreimonatiger Pause und 41 verpassten Spielen kehrte er Anfang März zurück in den Rink, absolvierte seitdem sieben Matches. Die „Krone“ sprach mit dem Kärntner über die schwierige Zeit, Karriere-Ängste und die A-WM im Mai in Bratislava.

Michi, du hast seit Deinem Comeback Anfang März und nach dreimonatiger Verletzungspause sieben Spiele binnen elf Tage bestritten. Wie geht es dir?
Körperlich ziemlich gut, auch deshalb, weil ich nur drei Wochen nach der Verletzung bereits wieder im Kraftraum trainierte, mich sehr gut fit halten konnte. Es ist schön zu sehen, dass ich spielen kann, wenn auch derzeit mit Einschränkungen, da vieles für mich noch etwas unscharf zu sehen ist. Ich habe einige Kontaktlinsen probiert, geholfen hat es nicht.

Wie wirkt sich der getönte Sichtschutz aus, den du nun während des Spiels trägst.
Daran hatte ich mich nach zwei, drei Trainings rasch gewöhnt, einen Sichtschutz hatte ich auch davor. Der nun getönte dient dem Schutz gegen das stark reflektierende Licht auf dem Eis, hilft dabei, dass mein lädiertes Auge nicht zuviel davon abbekommt.

Was dir bleibt, ist eine vergrößerte Pupille am verletzten Auge.
Ja, sie kann sich trotz Tropfen und Medikamenten nicht mehr zusammen ziehen. Das wird vermutlich so bleiben. Der Muskel, der fürs Fokussieren zuständig ist, ist beeinträchtigt. Wenn ich vom Dunklen ins Helle gehe, verstreichen einige Minuten, bis sich das Auge darauf eingestellt hat. Ich habe aber das Gefühl, dass es noch besser wird, trage zum Schutz im Alltag eine Sonnenbrille.

Wie groß war vor allem in den ersten Wochen nach der Verletzung die Ungewissheit, wie es weiter geht?
Es ist nun mal eine Verletzung, wo Du schwer einschätzen kannst, wie es am Ende aussehen wird. Es ist kein Knochenbruch, wo du weißt, nach 4 bis 6 Wochen ist alles geheilt. Das Schlimmste war, dass mir viele Wochen lang kein Arzt einen Zeitraum bezüglich der Ausfallsdauer sagen oder Prognosen abgeben konnte, wie es am Ende aussehen wird. Diese Warterei war das Schlimmste.

Es gab sogar einen Tag, wo Du nicht mehr sprechen konntest.
Das war zwei Wochen, nachdem es passierte. Es war ein Sonntag, ich merkte gleich nach dem Aufwachen, dass etwas nicht stimmt. Der Druck im Auge war viel höher als im Moment der Verletzung. Ein komisches Gefühl, nicht wirklich ein Schmerz. Der Druck im Kopf war aber so groß, dass mir richtig schlecht wurde. Ich habe nicht reden wollen, wusste nicht, wie ich mich hinsetzen soll, ein ganz merkwürdiges Gefühl. Der Arzt sperrte dann extra an besagtem Sonntag für mich auf, stach mir mit einer Nadel ins Auge, saugte Flüssigkeit ab, dann war es sofort wieder besser. Ich bekam Augentropfen und Tabletten, damit der Druck im Auge niedrig bleibt, seit jenem Tag hab ich kein Problem mehr damit.

Wie würdest du derzeit den Status quo beschreiben?
Zum Spielen geht es, ich muss mir und dem Auge aber noch ein paar Monate Zeit geben, geduldig sein und abwarten, ob ich die frühere Sehstärke wieder erlange oder ob es so bleiben wird wie es jetzt ist.

Mit jedem Spiel schwinden wohl auch die Ängste rund um ein mögliches Karriereende.
Natürlich ist es schon zu sehen, dass ich spielen kann, wenn auch vorerst mit Einschränkungen, die allerdings erträglich sind. Ich will mit Arizona heuer noch so weit wie möglich kommen. Nach der Saison werde ich aber Ruhe geben, abschalten, damit das Auge über den Sommer zur Ruhe bekommt.

Hat sich St. Louis-Crack Sammy Blais, der dir den Stockschlag zugefügt hat, bei Dir  entschuldigt.
Er hatte mir gleich am nächsten Tag geschrieben. Es war ja auch keine Absicht, am Video klar zu sehen, dass da sehr viel Pech mit im Spiel war. Wie mein Kopf gedreht war, in welchem Winkel der Schläger auf mich zukam. Dass der Schläger genau unter dem Visier in mein Auge geriet, ohne das Visier zu berühren: Ich weiß bis heute nicht, wie das möglich war. Das passiert wahrscheinlich in einem von 1000 Fällen.

Überraschend war auch, dass du gleich in deinem ersten Comeback-Spiel gegen Calgary von Trainer Rick Tocchet über 17 Minuten Eiszeit erhalten hast.
Das hatte auch mich überrascht. In diesem Spiel hatte ich mit 10, 12 Minuten Einsatzzeit gerechnet - dann waren es fast 18. Tocchet meinte, ich habe gut gespielt, wirkte nicht müde auf ihn, daher setzte er mich oft ein. Ich hatte hart dafür trainiert, wollte körperlich bereit ein, damit dies kein Hindernis ist und ich mich voll aufs Spielen konzentrieren kann. Es hat zum Glück funktioniert.

Sieben Spiele in elf Tagen - inwiefern kamst du auf Anhieb mit dem intensiven Rhythmus zurecht.
Das ging schnell. Nach ein, zwei Spielen habe ich gemerkt, dass es geht und ich spielen kann. Die zwei erzielte Tore im zweiten Spiel gegen Los Angeles haben auch geholfen, seitdem tu ich mir auch vom Kopf her wesentlich leichter.

Sofern es sich ausginge: Ist die A-WM in Bratislava für dich ein Thema?
Ich muss für die A-WM leider absagen, habe es Teamchef Roger Bader, der vollstes Verständnis zeigte, noch vor meinem Comeback Anfang März mitgeteilt. Ich muss nach der Saison Ruhe geben und hoffe, dass mein Auge in den nächsten Wochen und Monaten weiter heilt.

Zumal du noch zwei Jahre Vertrag in Arizona hast.
Für den Fall, dass es nicht mehr ginge, wäre mein Ausfall durch eine Versicherung gedeckt, bekäme ich mein Gehalt weiter bezahlt. Doch daran denke ich nicht.

Neun Spiele vor Ende des Grunddurchgangs seid ihr auf Play-off-Kurs.
Wir werden im Finish einige Siege brauchen, um den Platz zu halten. Es ist toll, dass wir trotz viel Verletzungspech so stark unterwegs sind.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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