Nach Erdbeben

Chile droht totales Chaos ++ Tote bei Plünderungen

Ausland
02.03.2010 08:02
Die Lage in den chilenischen Erdbebengebieten wird zunehmend explosiv: Aus Vororten der Stadt Concepcion, die von dem verheerenden Beben mit mehr als 700 Toten besonders schwer betroffen ist, wurden am Montag Schießereien zwischen bewaffneten Bürgerwehren, Plünderern und dem Militär gemeldet. Dabei gab es Berichten zufolge Dutzende Tote. Die nächtliche Ausgangssperre wurde indes auf die Städte Talca, Cauquenes und Constitucion ausgeweitet.

In insgesamt vier Städten gilt nun nachts ein Ausgangsverbot. Über die besonders schwer vom Erdbeben betroffene Stadt Concepcion war bereits am Sonntag eine Ausgangssperre verhängt worden. 

In Concepcion gingen am Montag ein Kaufhaus (Bild) und ein Großmarkt nach Plünderungen in Flammen auf. Dabei sollen Berichten zufolge bis zu 20 Menschen ums Leben gekommen sein. Auch in kleineren Ortschaften habe es Gefechte zwischen Plünderern, Polizei und Militär gegeben, bei denen auch Tote zu beklagen waren.  Marineinfanteristen versuchten, ein Abgleiten der Großstadt in die Anarchie zu verhindern, und gaben Schüsse in die Luft ab. 

Unterdessen verunglückte eine kleine Propellermaschine auf dem Weg nach Concepcion. Die sechs Menschen an Bord seien dabei ums Leben gekommen, hieß es. Bei den Passagieren habe es sich um Helfer sowie um Mitarbeiter einer Universität gehandelt.

"Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten"
Durch das Erdbeben am Samstagmorgen und die folgenden Flutwellen, die für viele Bewohner aufgrund fehlender Tsunami-Warnungen völlig überraschend kamen, sind nach letzten Angaben mindestens 723 Menschen ums Leben gekommen, hunderte weitere werden vermisst. 

Die Zahl der Todesopfer werde weiter steigen, sagte Chiles Innenminister Edmundo Perez Yoma am Montag. "In den Küstenregionen hat ein Tsunami ganze Ortschaften fortgerissen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen." Das Erdbeben vom Samstag ist das fünfstärkste Beben gewesen, das jemals gemessen wurde.

Vor allem in Maule und Biobio gelten zahlreiche Menschen noch als vermisst. Die genaue Zahl der Obdachlosen ist noch unbekannt. Die Zahl der zerstörten oder beschädigten Wohnungen wurde zuletzt mit etwa zwei Millionen angegeben.

Staaten sichern Hilfe zu
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva stattete Chile als erster Staatschef nach dem Beben einen Besuch ab. Er sagte jede erdenkliche Hilfe zu. Am Dienstag wurde auch US-Außenministerin Hillary Clinton in Santiago erwartet. Sie wollte sich einen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe machen.

Allerdings sehen sich viele Bürger zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen, da auch zwei Tage nach dem Beben der Stärke 8,8 noch immer kaum Wasser und Lebensmittel in Concepcion angekommen waren - und schon gar nicht in den kleineren Ortschaften des Katastrophengebiets. Die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas ist seit dem Beben am Samstagmorgen ebenfalls unterbrochen.

Bei der EU in Brüssel ging eine Bitte um Hilfe aus Chile ein. Benötigt würden vor allem Unterstützung beim Bau von Brücken, medizinische Betreuung, Anlagen zur Wasseraufbereitung und Telekomverbindungen, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem südamerikanischen Land Hilfe beim Wiederaufbau zu. In einem Telefonat mit Präsidentin Michelle Bachelet stellte Merkel über die Nothilfe hinaus Unterstützung in Aussicht, teilte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach in Berlin mit.

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