Sa, 23. Februar 2019
09.02.2019 21:05

Neue Gewalteskalation

„Gelbwesten“-Aktivist verlor durch Detonation Hand

Bei den „Gelbwesten“-Protesten in Paris ist am Samstag bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei ein Aktivist schwer verletzt worden. Der Mann verlor durch eine Granatenexplosion in der Nähe des Parlaments seine rechte Hand. Der schwer verletzte Mann wurde von Rettungskräften abtransportiert. Am Unterarm hatte er einen Verband. Ein Augenzeuge, der die Szene filmte, gab an, die Verletzung rühre von einer Polizeigranate her.

Mit der Blendgranate hätten die Sicherheitskräfte versucht, die Demonstranten vom Parlamentsgebäude zurückzudrängen, sagte der Augenzeuge zu AFP. Bei dem Verletzten handle es sich um einen Fotografen der „Gelbwesten“. Er habe die heranfliegende Granate mit der Hand abwehren wollen, „daraufhin ist sie explodiert, als er sie berührte“, sagte der Augenzeuge.

Gefährliche Tränengasgranaten
Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt noch nicht vor. Ein Polizeisprecher bestätigte lediglich, dass eine Person an der Hand schwer verletzt worden sei. Aus Behördenkreisen verlautete, der Mann habe eine Blendgranate der Polizei zurückwerfen wollen. In den vergangenen Wochen war es bereits mehrmals im Zuge der „Gelbwesten“-Proteste zu ähnlichen Verletzungen durch den Einsatz von Granaten des Typs GLI-F4. Diese Granaten enthalten neben einem Reizstoff auch Sprengstoff, der ungefähr 24 Gramm TNT entspricht. Wegen der schweren Verletzungen ist eine Debatte über ein Verbot dieser Granaten in Frankreich entbrannt.

Im Video unten können Sie die Versorgung des verletzten Mannes durch Rettungskräfte sehen:

Die Demonstranten zogen vom Triumphbogen über die Champs-Elysees in Richtung Eiffelturm. Bei den Zusammenstößen vor dem Parlamentsgebäude setzte die Polizei Tränengas und auch Gummigeschosse ein. Weitere Kundgebungen fanden unter anderem in Bordeaux, Toulouse und Nantes statt. Auf TV-Bildern waren brennende Fahrzeuge und eingeschlagene Scheiben in der französischen Hauptstadt zu sehen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Zahlreiche Demonstranten zogen aber auch friedlich in Paris und anderen Städten durch die Straßen. Bis zum Abend zählte das Innenministerium 51.400 Demonstranten im ganzen Land, davon rund 4000 in Paris. Am vergangenen Wochenende waren es 58.600 landesweit und 10.500 in der Hauptstadt. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Sprecher der „Gelbwesten“ am Auge schwer verletzt
Die Beteiligung an den seit fast drei Monaten anhaltenden Protesten war zuletzt zurückgegangen. Am vorangegangenen Samstag gingen nach Angaben des französischen Innenministeriums 58.600 Menschen gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße. Die „Gelbwesten“ selbst sprachen allerdings von 116.000 Demonstranten. Zum Start der Protestbewegung waren es Mitte November noch mehr als 280.000 gewesen. Die Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten nimmt aber keineswegs ab. So ist es auch in den vergangenen Wochen zu schweren Verletzungen gekommen. Ein Sprecher der „Gelbwesten“ wurde Ende Jänner schwer am Auge verletzt. Laut seinem Anwalt handelte es sich um ein Gummigeschoss der Polizei.

Regierung plant schärferes Gesetz gegen Demonstrationen
Dieses Mal richteten sich die Proteste auch gegen ein geplantes Gesetz, das erleichterte Demonstrationsverbote und harte Strafen für Vermummte vorsieht. Einige Aktivisten haben dazu aufgerufen, sich gezielt zu vermummen. Gleichzeitig forderte Innenminister Christophe Castaner ein Ende der Gewalt. Nach dem versuchten Brandanschlag auf das Haus des Präsidenten der französischen Nationalversammlung prangerte der Innenminister Stimmungsmache gegen Repräsentanten der Demokratie angeprangert. „Vielleicht ist es Zeit, mit der Gewalt aufzuhören“, sagte Castaner am Samstag bei einem Besuch im nordfranzösischen Arcueil.

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