Mi, 20. Februar 2019
01.02.2019 07:00

Album & Tour

Erwin & Edwin: Elektrobrass mit Wohlfühlgarantie

Drei Jahre nach dem Debütwerk „Messing“ meldet sich das Fünf-Mann-Kollektiv Erwin & Edwin personell und klanglich runderneuert auf „Power“ zurück. Drummer Simon Gramberger und Sänger Alex „Alix“ Leuschner nahmen sich beim FM4-Geburtstagsfest in der Ottakringer Brauerei Zeit, um mit uns über harte DJ-Zeiten von früher, unterschiedliche Musikstile und den eigenwilligen Bandnamen zu reden.

Eigentlich ist es schon ziemlich lässig, wenn eine österreichische Band einen Gig aufgrund von zu großem Andrang abbrechen muss. So geschehen vor wenigen Tagen beim kultigen „Nightrace“ in Schladming, wo sich an die 50.000 Menschen drängelten, als die Wiener Elektrobrass-Combo Erwin & Edwin zum freudigen Stelldichein lud. Dass es den meisten wohl doch um den Triumph von Marcel Hirscher ging - geschenkt. Für die Vita macht sich so eine Geschichte trotz allem ziemlich gut, und der Promotion für das neue Album ist es auch dienlich. „Power“ nennt sich das kraftvolle Teil, mit dem das runderneuerte Quintett nun den Angriff nach vorne plant. Seit dem in Undergroundkreisen gefeierten Debüt „Messing“ sind nicht nur knapp drei Jahre vergangen, es wurde auch die halbe Mannschaft getauscht, ein fixer Sänger installiert und klanglich ordentlich umgerührt. Mehr Elektro, weniger traditioneller Brass. Die einen nennen es „zeitgemäß“, die anderen „folgerichtige Entwicklung“.

Erweckungserlebnis
„Dass der Brass vor sieben Jahren, als wir mit dem Ganzen angefangen haben, noch nicht einmal cool war, war uns schon immer egal“, lacht Drummer und Bandgründer Simon Gramberger im „Krone“-Talk, „unser Ex-Mitglied Christoph Detschmann und ich haben damals oft als DJs aufgelegt. So richtigen harten Elektro, das hat keinen interessiert und die Tanzfläche wurde immer leerer. Irgendwann hat er die Trompete, die er spielte, mit den Synthesizern und den Beats vereint und das kam gut an.“ Der in Wien wohnhafte Berliner Rapper Alix, erst seit kurzem in der Band fest angestellt, kann sich auch noch gut an sein Erweckungserlebnis erinnern: „Meine Augen wurden riesengroß, weil ich diese Mischung so einfach und doch genial fand. Es war nicht so weich wie die damals grassierende Balkanwelle, sondern hatte richtig Rumms.“

Auf dem Debüt „Messing“ war die Band noch nicht ganz so mutig und kompromisslos wie heute unterwegs, die in Fremdenhass und Rassismus eingebetteten Geschichten kamen trotzdem gut an. Songs wie „Wien“ oder „Freddy“ strotzten nur so vor politischer Kante. Vizekanzler Strache haben sie textlichsogar direkt benannt. Derart offensiv gehen Erwin & Edwin auf „Power“ nicht mehr zuwege. „Wir haben in einer gemeinsamen Entscheidung beschlossen, dass wir nicht allzu konkret auf solche Dinge hinweisen wollen“, erklärt Gramberger. Alix ergänzt: „Im letzten Jahr ist so viel passiert, es wurde eh schon alles gesagt. Wir sind damit durch und die alten Songs performen wir ohnehin weiterhin auf der Bühne.“ „Power“ dreht sich - Nomen est Omen - um Machtverhältnisse unterschiedlichster Couleur. Besonders angetan hat es der Band die Krux der Sozialen Medien, die Alix in seinen Texten zu „Influenza“ oder auch „Egolotion“ immer wieder anprangert.

Alpha-Charakter
„In ,Influenza‘ steckt natürlich viel Selbstreflexion“, gibt Gramberger zu, „wir schauen ja selbst zu oft aufs Handy und ertappen uns dabei, dass wir uns ständig mit anderen Bands oder Künstlern vergleichen. Man kann heute leider nicht mehr ohne Social Media leben, aber am Ende geht es doch noch um die Musik.“ „Du musst heute eine Marke sein“, fügt Alix hinzu, „früher warst du Künstler und deine Kanäle waren die Massenmedien. Heute muss jeder seine Gimmicks, Slogans und seinen eigenen Stil selbst erfinden und immer dranbleiben.“ Alix, der aus dem Hip-Hop kommt und sich vor allem im zeitgemäßen Trap wohlfühlt, kennt diese Thematik von dort zur Genüge. „Was mich am Trap fasziniert sind diese Alpha-Charakter. Es ist alles so extrem überzeichnet, weil es nur um die Person und das Ego geht, aber das hat auch eine gewisse Energie. Ich bin jetzt nicht direkt selbst so, aber es ist schon richtig, dass man als Sänger und Frontmann dieses Alpha-Selbstbewusstsein braucht.“

Nach dem „Greatest-Hits-Album Messing“, wie Gramberger das Debüt aufgrund seiner langen Entstehungsgeschichte augenzwinkernd nennt, ist „Power“ nun also in jedweder Hinsicht ein Neustart für das Quintett. Dass Erwin & Edwin am Ende des Tages überhaupt auf einen musikalischen Nenner kommen, ist aufgrund der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen innerhalb der Band gar nicht so einfach. Alix schwört auf den modernen Trap, Produzent Michael Mosbacher auf Rock, Blues und Gitarrenmusik im Allgemeinen, Trompeter Georg Huber ist auf dem Swing- und Bigband-Trip, während Gramberger und Valentin Reiter eher im Hip-Hop und der Elektronik zuhause sind. „Es kristallisiert sich zum Glück schnell heraus, welcher Song bei allen gut ankommt. Es ist immer eine Findung, aber der Prozess wird mit der Zeit einfacher.“

Unterschwellig und subtil
„Power“ steht aber nicht nur für Social Media oder Diktatoren á la Donald Trump, sondern auch für die Liveenergie, die Fans und Band gleichermaßen aus einer Show herausziehen. „Das Gefühl, mit den Jungs auf der Bühne zu stehen, ist unvergleichlich“, schwärmt Alix, „uns geht es ja auch hauptsächlich um das Livespielen. Mich hat früher selbst immer gereizt, tiefsinnige Musik tanzbar zu machen. Das hat mich schon bei Deichkind fasziniert.“ Für Gramberger ist auch die Botschaft dazu wichtig. „Live predigen wir nicht, da wollen wir gemeinsam feiern. Es geht uns nicht darum, zu harte Botschaften zu vermitteln. Lieber etwas Unterschwelliges, wo sich jeder seine Gedanken dazu macht, ohne dem anderen gleich aufs Maul zu hauen.“ Dass man den willkürlich herbeigeleiteten Bandnamen dabei auch mit einem Volksmusik-Duo verwechseln könnte, ist der Band bewusst. „Aber immerhin können wir damit auch noch auftreten, wenn wir Pensionisten sind“, lacht Alix, „den Yung Hurn nimmt mit seinem Namen keiner mehr ernst, wenn er erst mal 60 ist.“

Im Zuge der Veröffentlichung spielen Erwin & Edwin natürlich auch zahlreiche Konzerte. Live sehen kann man die Truppe am 21. Februar im Linzer Posthof, am 22. Februar im Salzburger Rockhouse, am 23. Februar im Komma Wörgl, am 1. März im Grazer ppc, am 16. März im Lustenauer Carinisaal und am 2. April im Wiener WUK. Karten und weitere Infos gibt es unter www.erwindundedwin.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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