22.01.2019 10:33 |

Fake-Accounts

Mobbing-Opfer war selbst Täter

Mit blütenweißem Hemd sitzt ein 16-Jähriger vor Richter Michael Schofnegger. Dieser hat als Spezialist für Jugendstrafrecht schon viel gesehen und gehört - aber so etwas noch nie: Der Klagenfurter hatte monatelang vorgegeben, ein Mobbing-Opfer zu sein und sich sogar selbst verletzt. „Alles erfunden“, gibt er jetzt zu.

Warum?

Das wollen nicht nur Rat Schofnegger und Staatsanwältin Doris Kügler wissen, sondern wohl jeder, der den Fall in der „Krone“ verfolgt hat. Warum täuscht ein 16-jähriger Schüler über viele Monate hinweg konsequent vor, von anderen Jugendlichen massiv bedroht, gestalkt, gemobbt und sogar verletzt worden zu sein?

„Begonnen hat es damit, dass ich von einem Mädchen in unserer Timeout-Klasse wirklich gemobbt wurde“, erzählt er. „Ich wollte, dass andere Jugendliche sich auch so fühlen wie ich.“ Er erstellte höchst professionell mehrere Fake-Accounts seiner Widersacher in sozialen Medien. Von dort schickte er sich selbst brutale Drohungen. „Dass die Polizei eingeschaltet wird, wollte ich aber nicht“, meint er.

Aber es passierte - logischerweise, nachdem sich der Bursche überall als Opfer dargestellt und sogar Verletzungen vorgegaukelt hatte. Nicht einmal vor Gericht wich er anfangs von seinen Lügen ab. Seinetwegen landete eine 15-Jährige hinter Gittern. Unschuldig, wie man heute weiß.

Warum?

„Ich konnte nicht mehr aufhören. Ich war süchtig nach diesen Chats,“ sagt er. Der Psychiater ortet psychische Probleme und verminderte Zurechnungsfähigkeit, denn sogar seinem eigenen Vater schickte der Klagenfurter im Namen des Mädchens obszöne Nachrichten.

Der Papa sitzt übrigens mit auf der Anklagebank - weil er seinen Sohn schützen wollte und dabei überreagiert haben soll. Dieser Fall wird allerdings ans Bezirksgericht delegiert. Der Sohn selbst erhält ein Jahr bedingt und die Weisung, eine Psychotherapie nachweislich zu absolvieren. Angenommen.

Mehr dazu unter:

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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