Di, 11. Dezember 2018

„Krone“ mit an Bord

23.09.2018 06:00

Pilot Norbert Hofer: Im Pyjama-Bomber nach Bozen

Norbert Hofer und Harald Vilimsky sind nach Südtirol geflogen, um dort im Wahlkampf mitzumischen. Hinter dem Steuer saß Hobby-Pilot Hofer selbst. Die „Krone“ flog mit und begleitete den blauen Schaulauf.

Es ist ein Dilemma: Wer von Wien nach Bozen reisen möchte, muss entweder über sechs Stunden mit dem Auto fahren, am Bahnhof Innsbruck umsteigen oder vom Flughafen Innsbruck mit Auto oder Zug weiterreisen. Eine direkte Bahnverbindung soll es zwar ab Winter 2019 geben, wer aber einen Direktflug vorzieht, braucht einen Flugschein und eine Maschine - so wie Norbert Hofer.

Der Vizeparteichef und Verkehrsminister ist am Freitag mit Generalsekretär Harald Vilimsky (beide FPÖ) in die Landeshauptstadt Südtirols geflogen - ein Flug früh am Morgen oder nachts wird scherzhaft auch als Pyjama-Bomber bezeichnet. Im Vorfeld der Südtiroler Landtagswahl am 21. Oktober wollten die beiden Politiker kräftig die Werbetrommel für ihre Schwesterpartei rühren.

Südtirol für FPÖ eine Herzensangelegenheit
Am Bozner Flughafen werden die FPÖ-Politiker von der Parteispitze der Südtiroler Freiheitlichen und Blasmusik, die das „Bozner Bergsteigerlied“ zum Besten gibt, empfangen. Dass Parteien aus Österreich ihre Schwesterparteien in Südtirol unterstützen, ist Tradition. Über die Einladungspolitik sind die Südtiroler schon lange nicht mehr irritiert, erzählt ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Senders RAI bei der Pressekonferenz im Hotel Mondschein. Viel wird dort geredet - die von der österreichischen Bundesregierung geplante Doppelstaatsbürgerschaft für deutsch- und ladinischsprachige Südtiroler ist kein Thema. „In der Aufgeheiztheit einer Wahl eignet es sich nicht, über so ein Thema zu sprechen“, so Vilimsky.

Für die FPÖ ist das seit 1919 zu Italien gehörende Südtirol „eine Herzensangelegenheit“. 2015 machte sich Norbert Hofer für eine Wiedereingliederung Südtirols in den österreichischen Staat stark. „Die Trennung Südtirols durch eine Grenze vom Vaterland war Unrecht, ist Unrecht und wird immer Unrecht bleiben, solange diese Grenze besteht“, sagte er damals. Am Freitag darauf angesprochen, ob er sich wünschen würde, dass Südtirol wieder ein Teil Österreichs wird, antwortet er: „Mit solchen Aussagen muss man vorsichtig sein.“ Südtirol sei für ihn aber „nicht Ausland, sondern Nachbarland“.

Landesfarben in flüssiger Form als Gastgeschenk
Nach der Pressekonferenz machen Hofer und Vilimsky, flankiert von der Parteispitze der Südtiroler Freiheitlichen - Parteibobmann Andreas Leiter Reber, Generalsekretär Florian von Ach und der Fraktionsvorsitzenden Ulli Mair -, einen Spaziergang durch die Altstadt. Mit dabei war auch FPÖ-Südtirolsprecher Werner Neubauer. Manche Passanten beobachten das Treiben argwöhnisch. Ein Pensionistenpaar sieht es „skeptisch, dass sich Politiker aus dem Ausland in innere Angelegenheiten einmischen“. Ein junger Mann mischt sich ein und relativiert, immerhin „ist Österreich unser Vaterland“.

Danach geht es mit der Seilbahn nach Oberbozen ins Gasthaus Fink. Die Menschen dort nehmen kaum Notiz von den Politikern. In Österreich wäre so etwas unvorstellbar. Parteiobmann Leiter Reber erklärt das durch die „zurückhaltende Mentalität der Südtiroler“ und die „vielen internationalen Gäste“. Danach geht es wieder zum Flughafen. Als Gastgeschenk gibt es „die Landesfarben in flüssiger Form“, also Rot- und Weißwein, und Bilder vom historischen Bozen. Es war ein Tag fast so schön wie daheim.

An Bord der „HofAIR“
Frühe Morgenstunde am Flugplatz Punitz im Burgenland. Mit der „HofAIR“, wie Harald Vilimsky Norbert Hofers viersitziges Propellerflugzeug nennt, ging es in einer Höhe von 11.000 Fuß und mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h nach Bozen. Vor einem Monat hatte sich der FPÖ-Vizeparteichef und Verkehrsminister die Maschine zusammen mit zwei Freunden gekauft. Kostenpunkt: 120.000 Euro.

Bei seiner Errungenschaft handelt es sich um eine Cessna 182RG Turbo. Hofer, kein Freund des „Luft-100er“ auf der Autobahn, ist froh, dass dieser über den Wolken kein Thema ist. „Bei 100 km/h würden wir abstürzen, weil wir zu langsam unterwegs wären. Beim Fliegen ist Geschwindigkeit Leben.“ 90 Minuten später landete die „HofAIR“ auf dem Bozner Flughafen. Die in Frankreich gebaute Maschine heißt „Jacqueline“, wenngleich Hofer sie lieber „Chantal“ getauft hätte.

Sandra Schieder, Kronen Zeitung

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