So, 23. September 2018

Musik-Schwerpunkt

04.09.2018 06:00

Kindergärten: Spielend leicht Deutsch lernen

Mit Musik geht vieles leichter - auch der Erwerb der deutschen Sprache. Davon können unsere Kinder ein Lied singen ...

„Wie kommst du in den Kindergarten?“, „Die Katze macht Miau“ und auch „Das lachende Gespenst“ sind nur einige Bespiele der mittlerweile 45 Lieder, die ab September in allen Kindergärten Österreichs gesungen werden. Diese wurden speziell auf den Alltag der Kleinen abgestimmt - im Hintergrund steht aber ein höheres Ziel als Unterhaltung.

„Es geht um das spielerische Erlernen der deutschen Sprache“, erklärt Ferdinand Auhser aus Tulln (NÖ). Er ist der Autor der Texte und Erfinder des Maskottchens, dem Ohrwurm „Bakabu“. Auf drei Alben nimmt er die Kinder mit auf seine Reisen vom Singeland in unsere Welt. Begleitet von pädagogischen Erklärungen für Eltern und viele praktische Tipps für die Betreuer.

Die Idee für diesen innovativen Ansatz des Spracherwerbs hat Initiator Arthur Lauber ausgerechnet aus dem Mittelalter. „Damals haben die Mönche singend unterrichtet. Rhythmus hilft dabei, sich komplexe Inhalte zu merken“, sagt der gebürtige Wiener. Jahrelang wollte er mit dieser Methode Kinder beim Sprachenlernen unterstützen - doch erst in der Pension fand der ehemalige Bühnenpartner von Erwin Steinhauer und Komponist von TV- und Filmmusiken dafür die Zeit. Die Lieder schreibt allerdings sein langjähriger Freund und Kollege Manfred Schweng, der dem kleinen „Bakabu“ in den Liedern mit viel Charme und Herzblut auch seine Stimme leiht.

Dass ein Mann die Kinderlieder singt, kommt beim jungen Publikum wie auch den Elementarpädagogen gut an. „Wir entwickeln die Lieder in enger Abstimmung mit einem Versuchskindergarten in Graz. Dort gibt es an der Pädagogischen Hochschule auch ein vierjähriges Forschungsprojekt zur Sprachförderung mit „Bakabu“. „Viele Ideen für die Texte kommen direkt von den Betreuern aus den Kindergärten“, erklärt Auhser.

So auch die Bitte, eine Geschichte über die Herkunft des kleinen Ohrwurms zu schreiben. Mit „Bakabu und der Notenschlüssel“, das vom deutsch-österreichischen Schauspiel-Star Christian Tramitz als Hörbuch eingelesen wurde, kam der Autor diesem Wunsch nach. Tramitz ist aber nicht der einzige prominente Unterstützer der Aktion - die Liste geht von Serge Falck und Marianne Mendt über Erwin Pröll und MQ-Museumsdirektor Christian Strasser bis zu Herbert Prohaska und Toni Polster.

„Die Kinder gewinnen durch das Mitsingen an Selbstvertrauen“
Kinder dürfen dabei weder über- noch unterfordert werden - die „Krone“ fragte bei der Sprachwissenschaftlerin Dr. Barbara Rössl-Krötzl nach, was sich hinter dem Konzept verbirgt.

„Krone“: Wie hilft Musik beim Spracherwerb?
Barbara Rössl-Krötzl: Gesprochene Sprache und Musik teilen sich einige Gemeinsamkeiten: Rhythmus, Betonungsmustern, Melodiebögen. Es ist naheliegend, die Musik als Unterstützung einzusetzen, was in Familien seit jeher instinktiv gemacht wird.

Was ist das Neue an dem „Bakabu“-Ansatz?
Die Lieder behandeln bestimmte Sprachlerneinheiten wie Wortschatz, grammatische Strukturen, Satzbau oder die Fälle. Vordergründig behandeln sie Themen aus der Gefühlswelt der Kinder.

Ab welchem Alter ist der Einsatz zu empfehlen?
Es ist wichtig, dass sprachliche Inhalte und Musik auf Alter und Sprachkompetenzen abgestimmt sind. Die „Bakabu“-Alben bieten für verschiedene Phasen des Spracherwerbs eine Reihe von Liedern an: von einfach für Sprachlernanfänger bis zu komplexeren für ältere Kinder.

Lässt sich der Erfolg dieser Methode belegen?
Es gibt viele positive Erfahrungsberichte. Die Kinder gewinnen durch das Mitsingen der Lieder an Selbstvertrauen.

„Lese-Omis“ fördern den Spracherwerb
Für Abwechslung im Kindergartenalltag sorgen auch die zahlreichen „Lese-Omis“, die mit den Kleinen gemeinsam Bücher lesen. Karin Miesskes ist eine davon. Sie war früher selbst Leiterin eines Kindergartens und widmet sich in ihrer Pension den Sprösslingen am Richard-Kuhn-Weg im 14. Bezirk. „Projekte wie diese zeigen deutlich, dass Kinder sehr große Freude an Sprache und Büchern entwickeln können“, freuen sich auch Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky und die Abteilungsleiterin der MA 10 - Wiener Kindergärten, Daniela Cochlár.

Die sprachliche Frühförderung nimmt in den Wiener Kindergärten eine zentrale Rolle ein. Die Pädagogen und Assistenten schaffen für die kleinen Sprösslinge Situationen, bei denen die Kinder spielerisch aufgefordert werden, Deutsch zu sprechen. Die Interessen und der Spaß der Lernenden stehen dabei immer im Vordergrund.

Thomas H. Lauber, Kathi Pirker, Kronen Zeitung

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