Nach 0:6-Debakel

Mattersburg feuert Trainer Gerald Baumgartner

Der erste Trainerwechsel der Saison in der Bundesliga ist perfekt. Nach nur vier Runden muss Gerald Baumgartner beim SV Mattersburg gehen. Der Verein um Klub-Boss Martin Pucher entschied, Baumgartner am Dienstag mit sofortiger Wirkung freizustellen. Die Burgenländer hatten zuletzt beim 0:6-Heimdebakel gegen den WAC die dritte Niederlage en suite kassiert.

Man sehe sich „aufgrund der zuletzt gezeigten sportlichen Leistungen“ dazu veranlasst, Baumgartner „mit sofortiger Wirkung freizustellen“, hieß es in einer betont kurz gehaltenen Vereinsmitteilung. Die derzeit mit drei Punkten an vorletzter Stelle liegenden Mattersburger wollen bis zur Länderspielpause ab 3. September einen Nachfolger bestellen. Vorerst leitet Amateure-Trainer Markus Schmidt das Training.

„Es kommt für mich sehr überraschend und tut mir weh“, sagte Baumgartner nach der Trennung. „Ich hatte gerade das Training vorbereitet und mir Gedanken über die kommenden schwierigen Aufgaben gemacht“, erzählte der Trainer über die Situation, als er am Dienstag von Pucher über die Entscheidung unterrichtet wurde. Er nehme die Entscheidung gefasst auf. „Ich war immer mit vollem Eifer und ganzem Herzen dabei. Ich und der Verein sind gemeinsam doch ein großes Stück des Weges gegangen, ich will nichts Schlechtes sagen.“

Ursprünglich hatte Baumgartner noch einen Vertrag bis Ende Juni 2020, nun endete seine Ära nach 62 Spielen an der Seitenlinie. „Trainer zu sein trägt immer ein Risiko in sich, weil man abhängig von Ergebnissen ist. Ich war aber bis zuletzt positiv gestimmt und denke auch, dass wir für Mattersburger Verhältnisse durchaus erfolgreich unterwegs gewesen sind“, sagte Baumgartner.

Der 53-jährige Salzburger verwies auf die schwierige Situation im Vorjahr, als Mattersburg lange im Tabellenkeller festsaß - am Ende aber Sechster vor der Austria wurde und das Halbfinale im ÖFB-Cup erreichte. Dass dieser Kredit beim Klubchef nun bereits nach vier Bundesligarunden verspielt war, sei für ihn doch überraschend. „In meiner Zeit wurden schon sehr viele Dinge sehr richtig gemacht.“ Die Mannschaft habe er „auf alle Fälle“ noch erreicht. „Wir hatten einen super Teamspirit.“

Zuletzt kolportierte zwischenmenschlichen Probleme mit Sportdirektor Franz Lederer wies Baumgartner zurück. „Es war immer ein normales Arbeitsverhältnis. Er hat eben seine Arbeitsweise, ich habe meine.“ Ob er nur der Erste eines Kahlschlages in der sportlichen Führungsriege sei, wollte Baumgartner nicht sagen. Lederer war am Dienstag vorerst nicht erreichbar. Bereits vor der Niederlage gegen den WAC hatte sich der Verein von Co-Trainer Renato Gligoroski, einem langjährigen Weggefährten Baumgartners, getrennt.

„Wenn der Verein einen Trainer beurlaubt, dann sollte das ein Warnschuss für die Mannschaft sein. Jetzt sind die Spieler gefragt, die Ergebnisse wieder auf den Platz zu bringen“, sagte Baumgartner. Der frühere Coach der Red-Bull-Juniors will sich nun eine Auszeit nehmen und dann seine „guten Kontakte“, etwa zu Frankfurt-Trainer Adi Hütter oder Bayern-Coach Niko Kovac nützen. „Ich würde gern hospitieren und mich weiterbilden. Wenn man Chefcoach eines Bundesligisten ist, bleibt dafür kaum Zeit.“

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